Tanz den Mussolini. Tanz den Jesus Christus. (VIDEO)

krise 1 wolfgang wildnerEin Tabubruch – und ein Lied, das zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle aufkam, einer Musikrichtung, die liberal-alternativ orientiert war. In diesem Lied werden gleich mehrmals die Tabus gebrochen, indem sakrosankte Namen verwendet werden. Sakrosankt nicht im Sinne von heilig, sondern von „in der Öffentlichkeit lieber nicht antastbar“. Die Frage an den Zuhörer lautet: nach wessen Pfeife tanzt Du ?

Wer das Lied kennt, wird sich kaum noch darüber empören. Wer es nicht kennt und zudem vielleicht aus dem pietistisch-christlich Umfeld kommt, wird sich daran stoßen.

Es geht also zentral um folgende Frage:

Nach wessen Pfeife tanzt Du in Deinem Leben ?

Hier werden faschistische Namen wie „tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler“ genannt. Man sieht eine tanzende Masse, die sich schnell von dem einen Namen dem nächsten zuwendet.

Es geht weiter „tanz den Jesus Christus. Tanz den Kommunismus„.

Langsam bemerkt man, dass das Thema des Songs wohl eines ist: Ideologiekritik. Aber was bedeutet Ideologiekritik eigentlich ?

Lesen Sie hier:

Ideologiekritik geht von einer verblendeten Wahrnehmung der (gesellschaftlichen) Realität aus. Indem Ideologiekritik diese unterstellte Verblendung aufzudecken versucht, möchte sie den Zugang zu den wirklichen Verhältnissen freilegen. In der Philosophie findet der ideologiekritische Diskurs u.a. im Rahmen der Hermeneutik statt. (> Quelle)

Es geht also in dem Lied darum, etwas aufzudecken, nämlich das Denken gewisser Bevölkerungsschichten. Die einen geben sich faschistisch, die anderen folgen Jesus Christus nach – und haben ihn bereits zu einer Ideologie erhoben. Es sind Menschen, die Sonntags den Wohlfühljesus in der Kirche gepredigt hören, aber im Alltag radikal leben. Im Alltag tanzen sie vielleicht „den Mussolini“. Unter Christen geschehen die größten Untaten – unter dem Deckmantel der Christlichkeit. Dieser Song weist darauf hin.

Es geht weiter: „tanz den Kommunismus“. Auch dieser ist uns als gefährliche Ideologie bekannt, wenn wir an den einstigen Ostblock und sein totalitäres Regime denken. Doch auch hier gilt – ebenso wie bei dem Glauben an Jesus Christus – , dass eben alles Auslegungssache ist. Denn auch die christliche Urgemeinde lebte einst in einer Art Kommunismus, stellte aber fest, dass diese Art von Ideologie – zumindest in letzter Instanz – kaum lebbar ist. Wenn alles allen gehört, ist das eine schöne Vorstellung. Sie lässt aber kaum Raum für Individualität. Was in Maßen sinnvoll sein mag, wird unlebbar, wenn es zum starren System erhoben wird.

Während sich die ersten beiden Textstrophen „tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler“ auf totalitäre Systeme bezieht, die sich von selbst völlig disqualifizieren, lassen die beiden anderen Systeme Raum:

„Tanz den Jesus Christus. Tanz den Kommunismus“.

Aber auch das letztgenannte System (Kommunismus) erscheint als Utopie, als kaum wirklich lebbar.

Bleibt also noch der Glaube an Jesus Christus. Dieser verkörpert Werte, auf denen ganz Europa gegründet ist. Es sind solche Werte wie, dass das Leben eines jeden Menschen göttlich gewollt ist. Daraus leiten sich universale Menschenrechte ab. Eine wichtige Grundlage – Toleranz nämlich – für das Zusammenleben auch mit Andersdenkenden.

Auch heutzutage begegnet man allen vier genannten Gruppen. Wer sich der Gruppe „tanz den Jesus Christus“ anschließt, ist gut beraten – aber nicht automatisch immun gegen die anderen Tendenzen. Es gibt Christen, die das Christentum zu einer radikalen Ideologie machen, die die zentrale Botschaft der Liebe vergessen (Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott – und Deinen Nächsten wie Dich selbst), die totalitäre Züge in ihr Verständnis von Christentum bringen: sie grenzen Andere aus. Das geht mitunter so weit, dass sie Andersdenkenden ihren Existenzanspruch absprechen: beispielsweise die Islamphobie kann womöglich als aktuelles Beispiel angeführt werden.

Am Ende des Musikvideos schnippt ein lässig-schloddriger Wellness-Unterhaltungs-Jesus die Abendmahlsoblate weg. Wieder ein Tabubruch ?

Sicherlich. Aber diesen Unterhaltungs-Wellness-Jesus kennen wir doch alle, oder ? Sonntags in der Kirche geben wir ein heiliges Bild ab – oder mühen und zumindest darum – , dann , ein paar Stunden später im Alltag verweisen wir dies in das Reich des Sonntags – und streiten und hintergehen und intrigieren. Diesen Sonntags-Wellness-Jesus haben wir uns selbst erschaffen. Darum mögen wir ihn – und hassen es aber, wenn uns vor Augen gehalten wird, wen wir uns da erschaffen haben.

Dieser lässig-schloddrige Wellness-Jesus am Songende weiß vielleicht darum. Er weiß, dass er von Vielen nur als Wellness-Produkt gebraucht wird. Und als ein solches Produkt wirft er auch schnell mal die Abendmahls-Oblate weg: Die Wellness-Fun-gesellschaft hat keine Verwendung für das Abendmahl – also weg damit.

Und wenn Sie das nächste mal in eine Situation kommen, in der Sie über andere Menschen schreiben, reden, intrigieren, dann fragen Sie sich doch, bevor Sie das tun:

Nach wessen Pfeife tanze ich hier gerade ?

Hier nun das Video:

Infos über die Band > DAF.

p.s.: warum eigentlich dieses Lied in diesem Beitrag ? Es hat zwei Gründe: zum einen stolperte ich zufällig darüber. Zum anderen befindet sich die Wirtschaft in einer großen Krise: eine gefundene Zeit für Volksverführer. Drum also Zeit dafür, sich über das Thema Gedanken zu machen: welcher Ideologie schließen wir uns – vielleicht unwissend – an ?

Text:

Geht in die Knie
Und Klatscht in die Hände,
Beweg deine Hüften,
Und tanz den Mussolini
Tanz den Mussolini [2x]

Dreh dich nach rechts,
Und klatsch in die Hände
Und mach den Adolf Hitler,
Tanz den Adolf Hitler [3x]

Und jetzt den Mussolini
Beweg deinen Hintern,
Beweg deinen Hintern,
Klatscht in die Hände,
Tanz den Jesus Christus [3x]

Geh in die Knie,
Und dreh dich Nach rechts,
Und dreh dich nach links,
Klatsch in die Hände,
Und tanzt den Adolf Hitler,
Und tanzt den Mussolini,
Und jetzt den Jesus Christus [2x]

Klatscht in die Hände,
Und tanz den Kommunismus,
Und jetzt den Mussolini,
Und jetz Nach rechts,
Und jetz nach links,

Und tanz den Adolf Hitler [2x]
Und jetzt den Mussolini [2x]

Tanz den Jesus Christus,
Beweg deinen Hintern,
Und wackel mit den Hüften,
Klatsch in die Hände,
Und tanz den Jesus Christus, [2x]
Und jetzt den Mussolini,
Und jetzt den Adolf Hitler,
Geb mir deine Hand [2x]

Und tanz den Mussolini,
Tanz den Kommunismus [2x]
Und jetzt den Mussolini [2x]
Und jetzt den Adolf Hitler [2x]
Und jetzt den Jesus Christus
Und jetzt den Mussolini
Und jetzt den Kommunismus
Und jetzt den Adolf Hitler
Und jetzt den Mussolini [2x]
Tu den Mussolini,
Tanzen wir den Hitler, [2x]
Und gehn in die Knie,
Beweg deine Hüften,
Klatsch in die Hände
Und tanz den Jesus Christus…

Titelfoto: wolfgang wildner,flickr.com

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. mar. sagt:

    Zeit der Verführer – richtig – Krisenzeiten sind Zeiten, in denen man besonders achtsam sein sollte.
    Nur führt nicht erhöhte Achtsamkeit auch zu erhöhtem Misstrauen?
    Es baut sich noch mehr Druck auf. Existenzielle Ängste verschärfen sich.
    Folgen wir Christus im Sinne der Nächstenliebe: Niemanden übervorteilen, Solidarität untereinander und nicht „Alles was du kannst, das kann ich viel besser, also steht mir auch viel mehr zu als dir. Du hast eben Pech gehabt.“

    Bleiben wir tolerant – die Würde des Menschen ist unantastbar – hätte Jesus sicher auch unterschrieben ohne sich wie ein Wellnes-Jesus gefühlt zu haben.
    Aus diesem Grundsatz leiten sich auch Menschen- und Freiheitsrechte ab.

    God bless you and your blog.
    Herzlich mar.

  2. Ariane sagt:

    Zeit der Verführer – richtig : Hier auf dem Blog wird nach alter Väter Sitte gegen das Haus Israel gewettert, gehetzt, verdreht, erfunden und gelogen.

    God bless you and your blog.

    Ja – dann aber wohl in dem Sinne „Segnet die euch verfluchen“ !

    Irrlichter und Kleingeister …

    Ariane

  3. theolounge sagt:

    @ariane

    Naja, hatte schon fast auf solch einen Kommentar gewartet.
    Aber hier wird nicht gegen Israel gewettert. Zumindest nicht prinzipiell. Hier wird darüber berichtet, wie die derzeitige israelische Politik dazu führt, dass der Antisemitismus zunimmt. Das ist ein Unterschied.

  4. Ariane sagt:

    Diese Kommentare werden diesen Blog auch weiter begleiten 😉

    Dein Leugnen hilft Dir da auch nicht weiter – soetwas UNselbstreflektiertes wie Dich findet man wahrlich nicht oft !

    Der Antisemitismus nimmt zu, weil Leute wie Du einseitig die Fehler Israels hervorheben und damit aus dem Kontext reißen. Und es nimmt zu, weil eine starke Antisemitische „Fraktion“ einen Freifahrtschein besitzt – ausgeschrieben von Gutmenschen wie Dir !

    Ariane

  5. theolounge sagt:

    @ariane alias Klaus, Kurt, Legat…

    Unsinn, dass Du jedesmal Dein Pseudonym änderst, Klaus.

    Es wird hier nicht völlig einseitig berichtet, wenn Du mal die Posts durchliest. Dennoch gibt es an der Politik Israels derzeit einiges kritisch zu beobachten.

  6. Ariane sagt:

    Ohhhh „nicht völlig einseitig“ …. hahaha ist das jetzt der zaghafte Versuch Fehler einzuräumen ? Wäre ja mal ein Schritt in die RICHTIG Richtung – und Du würdest direkt in meiner Sympatieskalar steigen. Man darf ja Fehler machen – die Gretchenfrage ist immer “ wie gehe ich damit um!“

    Und nirgendwo wurde und wird dir dein recht auf Kritik an der Politik Israels abgesprochen !!! Die Art und Weise ist nur unerträglich !

    Ariane

  7. theolounge sagt:

    Derzeit wird mehr über die israelische Politik berichtet, weil sie zum einen den Antisemitismus fördert, zum anderen, weil die Palästinenser öffentlich ziemlich wenig wahrgenommen werden, also eine recht leise Stimme haben. Wenn sich diese Quantitätenverteilung ändern sollte, ändert sich auch die Berichterstattung.

  8. theolounge sagt:

    Und Ariane, schreib einfach wieder als Klaus, alles andere ist lächerlich…

  9. Kurt sagt:

    Was ist los ? Schlägt wieder die nicht vorhandene Zensur zu ?

    So ein Quatsch !

    Die armen Palästinenser … erst werden sie fast ausgerottet und dann werden sie auch noch übersehen …. ach, und keiner verleiht ihnen eine Stimme ….

    Gleich kommen mir die Tränen – wenn ich *************************** !

    In die Presse findet der Nahostkonflikt immer dann, wenn Israel auf Terror reagiert. Über tausend Raketen auf Israel sind keine Nachricht. Der Luftangriff nach tausend Raketen ist ein Headliner !
    Oder eine Typische Überschrift der Tagesschau :

    Israelische Armee erschießt drei Palästineser
    …blabla die drei hatten einen Kontrollpunkt angegriffen …blabla

    Fette Überschrift – die Israelis wieder UND im kleingdruckten – sie waren angegriffen worden.

    Und zum Thema keine Stimme :

    Zigtausend Menschen sind wärend des Gaza Krieges auf die Staßen gegangen. In Asien, in Europa und in Amerika. Zum Teil wurden Parolen wie „Juden ins Gas“ gerufen. Weltweite Medienschellte auf Seite EINS – und Du sprichst von mangelndem Gehör …. es ist kaum zu fassen !

    Wie oft hat es denn die Stadt Sderot in die internationale Presse geschafft – wärend der Monate des Raketenbeschusses ??? Wieviele Reportagen gab es denn über Kindergartenkinder im Luftschutzkeller etc. ???
    WIEVIEL Blogeinträge hast DU denn diesem KRIEGSVERBRECHEN gewidmet ???

    *********************************** Lügen !

    Und was die Ariane angeht : Ich kann doch wohl unter dem Pseudonym schreiben wie ich das gerade möchte ? Heiße ich Klaus, heiße ich Kurt, heiße ich Ariane, bin ich en Mann, bin ich eine Frau ? WAS spielt das für eine Rolle ?
    Es ändert nichts ************** ! Ein Glück nur, *********************************************** !

    Kurt

  10. theolounge sagt:

    Hey Kurt, mach doch einen eigenen Blog auf, wo Du dann Deine Sicht der Dinge thematisierst.

    Das mit dem Veröffentlichen unter dauernd wechselnden Pseudonymen: das soll wohl suggerieren, dass eine unglaublich große Zahl von Leuten Deine – doch eher radikale – Meinung teilt. Drum ist es nicht so sinnvoll, immer im Namen anderer Personen hier zu kommentieren.

    Zudem wiederholst Du Dich dauernd. Mach doch Deinen eigenen Blog auf, dann kannst Du Deine Sicht der Dinge kommunizieren.

  11. theolounge sagt:

    Der Staat Israel jedoch gibt vor in einer Opferrolle zu sein, aufgrund der den Juden Europas angetanen Verbrechen, mit denen die Palästinenser nicht das Allergeringste zu tun hatten. Israel rechtfertigt damit seine gegenüber den Palästinensern verübten Untaten.
    Die Mehrheit der Juden Israels will aber davon nichts wissen. Israel und die jüdischen Gemeinden Europas beklagen einen Anstieg des Antisemitismus, insbesondere in den arabischen und muslimischen Ländern, wollen aber die Gründe dafür nicht einsehen, nämlich Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik, die Antisemitismus und Antizionismus in der Welt fördert.
    Jegliche Kritik an Israels Politik wird lautstark als “antisemitisch” angeprangert,
    selbst die Resolutionen der Vereinten Nationen, die die Interessen der Palästinenser zu wahren versuchen (“Die ganze Welt ist gegen uns”). Wie können Israel und die sich mit ihm solidarisierenden jüdischen Gemeinden im Namen der universalen Menschenrechte glaubwürdig gegen den Antisemitismus auftreten, wenn Israel andauernd gegen dieselben Rechte verstößt?

    Quelle: https://theolounge.wordpress.com/2009/10/14/juedische-stimme-fuer-gerechten-frieden-in-nahost/

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