Heilung XVII – berühmte Kranke im NT II – Paulus I

dornDer Stachel des Paulus
Dieses Prinzip gilt für Zeugnisse in der Bibel ebenso wie für Zeugnisse in unserem eigenen Leben.  An diesem Punkt geht oft einiges daneben wenn Christen das Wort lesen. Sie lesen im 2.Korintherbrief, dass Paulus einen Stachel im Fleisch hatte. Das ist zunächst einmal nichts als ein Zeugnis. Selbst wenn die Auslegumgstraditionen die sagen, dass es sich bei dem Stachel um eine Krankheit gehandelt hat, wahr wären, würde dieses Zeugnis die klaren Stellen aufheben in denen Gottes Wort sagt, dass Heilung Gottes Wille ist? Natürlich nicht! Niemandes Leben macht Gottes Wahrheit zunichte.
Bei Paulus könnten dieselben Sachen schief gegangen sein, die auch bei anderen dazu führten dass sie Gottes Heilung nicht empfangen haben. Es sagt rein garnichts aus, wenn ein Mensch nicht in seinem vollen Potential lebt.
Wenn wir das wissen, können wir über vieles beruhigt sein, was wir in der Welt sehen und in der Bibel lesen. Deshalb werde ich auch nicht auf alle Stellen in der Bibel eingehen, die schon einmal zu schräger Heilungstheologie geführt haben. Wir werden nicht über Timotheus’ Magen reden und auch nicht über den kranken Trophimus in Milet.
Dennoch möchte ich ein wenig weiter über Paulus und den Stachel reden, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf diesen wenigen Versen im 2.Korintherbrief viel aufgebaut wird, was sich nachher als hinderlich erweist wenn man versucht Gott für Heilung zu glauben. Die Stelle ist geradezu ein Paradebeispiel dafür wie Christen oft zu falschen Ansichten kommen.

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, daß dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. (2.Korinther 12,7-9)

Es gibt einige klassische und moderne Auslegungen dafür, was dieser Stachel gewesen ist. Interessanterweise muss der Stachel für einige absurde Theologien als „Beweisführung“ herhalten – wo die Bibel schweigt kann man offenbar hineininterpretieren, was man will. Tatsache ist, dass es nirgendwo klar steht, was der Stachel ist. Aber man kann aus dem Zusammenhang schon mehr oder weniger klar schließen, worum es sich handelte.
Neben der „Krankheitstheorie“ auf die ich etwas detaillierter eingehen möchte, gibt es einige andere mehr oder weniger prominente Theorien , um was für einen Stachel es sich gehandelt haben könnte:

Die Erinnerungstheorie
Manche Bibelausleger glauben, dass Paulus hier von schmerzhaften Erinnerungen spricht. Die Erinnerung daran, dass er früher Christen verfolgt hat und vielleicht der Kontakt mit Freunden und Verwandten seiner damaligen Opfer mögen ihn von Zeit zu Zeit fertiggemacht haben.
Man sagt ja, dass die Zeit alle Wunden heilt, aber manchmal bleiben quälende Erinnerungen zurück. Rein emotional kann ich mir gut vorstellen, dass ihn die Vergangenheit manchmal einholte. Aber dass diese Erinnerungen so heftig gewesen sein sollten, dass sie sich anfühlten, als würde ein Botschafter Satans ihn schlagen, kann ich mir dann doch nicht denken.

Die Sündentheorie
Eine Theorie, die ich gerade bei katholischen gefunden habe ist, dass es sich bei dem Stachel um sexuelle Sünde gehandelt hat. Paulus war als Junggeselle unterwegs und eben nicht verheiratet. Im Grunde ist es nur logisch anzunehmen, dass er – Gabe der Ehelosigkeit hin oder her – sexuelle Gedanken gehabt hat und wohl von Zeit zu Zeit auch mal eine “manuelle Übersteuerung” vorgenommen haben wird.
In den Klöstern ist das Problem der Selbstbefriedigung immer wieder mal angesprochen worden und wahrscheinlich wissen die allermeisten, was für ein schmerzhafter Stachel das sein kann und wie schlimm die darauf folgenden Schuldgefühle einem Menschen zusetzen können.

Die Gabentheorie
In den Korintherbriefen klingt einiges so, als ob Paulus kein besonders guter Prediger gewesen wäre und so für seinen apostolischen Dienst zumindest in diesem Bereich schlecht ausgerüstet war: die Briefe, wird gesagt, sind wuchtig und voll Kraft, aber sein persönliches Auftreten ist matt, und seine Worte sind armselig. (2.Korinther 10,10). Oder: Im Reden mag ich ein Stümper sein, aber nicht in der Erkenntnis (2.Korinther 11,6 – beide nach der Einheitsübersetzung).
Manchmal macht Gott es so, dass er jemanden an einen Platz setzt, für den er denkbar ungeeignet scheint, um dann große Sachen durch ihn zu tun. Jeder, der einmal in einer solchen Situation gesteckt hat, weiß wie schwierig das sein kann.
Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass das der Stachel gewesen sein kann, denn in einer solchen Lage ist es wahrscheinlicher, dass man um eine Gabe bittet als darum, eine Unfähigkeit fortzunehmen.

Die Ehetheorie
Durch einen Kommentar auf meinem Blog wurde ich auf eine These aus den 50er Jahren aufmerksam gemacht. Ein Autor sah in dieser Bibelsetelle den Beweis dafür, dass Paulus doch verheiratet war.
Dass eine solche Aussage mehr über die Ehe des Autors aussagt als über Theologie und korrekte Bibelauslegung ist wohl offensichtlich.

Die Krankheitstheorie
Soweit ich das beurteilen kann, gehen die meisten Bibelausleger gehen davon aus, dass Paulus hier von einer Krankheit redet, die er hatte. Die Meinungen über die Art der Krankheit gehen dabei auseinander.

Die älteste Auslegung in dieser Richtung kommt von Tertullian (ca. 160 geboren) und besagt, dass Paulus schlimme Migräneanfälle hatte. Diese Auslegung ist allerdings ansonsten nicht allzu populär.

Ansonsten ist das Lager mindestens zweigeteilt zwischen denen, die an eine Augenkrankheit glauben, und denen die von Epilepsie als wahrscheinlichste Krankheit ausgehen.
Da Paulus bei seiner Bekehrung von einem so hellen Licht umstrahlt wurde, dass er drei Tage blind war (Apostelgeschichte 9,9), könnte es ja immerhin sein, dass er ein Augenleiden hatte. Jahre später schrieb er an die Gemeinden in Galatien, dass sie wenn möglich ihre Augen ausgerissen und ihm gegeben hätten (Galater 4,15) und er schrieb den Brief mit großen Buchstaben (Galater 6,11), wie jemand, der nicht gut sehen kann.
Allerdings spricht auch sehr vieles gegen diese Theorie, so dass ich nicht an ein Augenleiden glauben kann.

1) In Apostelgeschichte 9,17-18 heißt es, dass Hananias Paulus die Hände auflegte und dass er daraufhin wieder sehen konnte und mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Die Blindheit war nur ein Zeichen dafür, dass er Gott begegnet war, keine Krankheit, die andauerte und von der er ein Leben lang gezeichnet war.

2)  Man kann Galater 6,11 offenbar unterschiedlich verstehen. Ein paar Übersetzungsvarianten sind:
„Seht, mit was für großen Buchstaben ich euch mit eigener Hand geschrieben habe!“
(Elberfelder)
„Sehet, wie weitläufig ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!“ (Schlachter)
„Sehet, welch einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!“ (unrevidierte Elberfelder)
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Paulus einen Brief in Schriftgröße 67 abgeschickt hat, zumal er vermutlich einen Schreiber benutzte. Wahrscheinlicher als dass dieser Brief ein Hinweis auf ein mysteriöses Augenleiden ist, dürfte es sein dass er sich auf die Länge bezieht. Die Länge ist für einen Brief tatsächlich lang.

Die andere prominente Theorie geht von Epilepsie aus. Auch diese Theorie lässt sich vordergründig durch den Zusammenhang stützen.
Epileptische Anfälle können zeitlich weit auseinander liegen und wurden in der Antike als ein sicheres Zeichen dämonischer Aktivität gesehen. Dazu würde es passen, dass Paulus von einem Engel Satans sprach. Überdies spuckte man im heidnischen Umfeld damals vor Epileptikern aus, um sich vor dem Dämon zu schützen; Paulus schreibt (wiederum an die Galater): ihr habt die mir am Fleische widerfahrene Anfechtung nicht gering angeschlagen oder gar verabscheut (Galater 4,14). Das Verb verabscheuen bedeutet ganz genau übersetzt ausspucken.
Dass Paulus dreimal darum gebeten hat, befreit zu werden hieße dann, dass er drei Anfälle hatte und jedes Mal nachher gebetet hat.
Allerdings halte ich auch das nicht für wirklich stichhaltig, denn der Zusammenhang zeigt schon, dass Paulus permanent unter dem Stachel litt und nicht nur gelegentlich bei zeitlich weit auseinander liegenden Anfällen.

Eine Krankheit (oder Schwäche), die Paulus bei seinem ersten Aufenthalt in Galatien hatte, war ganz offensichtlich nicht von Dauer.

Ihr wißt, daß ich krank und schwach war, als ich euch zum erstenmal das Evangelium verkündigte; 14 ihr aber habt auf meine Schwäche, die für euch eine Versuchung war, nicht mit Verachtung und Abscheu geantwortet, sondern mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, wie Christus Jesus. (Galater 4,13-14)

Wir wissen nicht genau, worum es sich handelte, aber es war keine Krankheit, die er sein Leben lang hatte und damit kann die Stelle kaum als Beweis (nicht einmal als Beleg!) dafür herhalten, dass der Apostel eine lebenslange Krankheit hatte, die er als Stachel im Fleisch bezeichnete.
Auch wenn es keinesfalls sicher ist, möchte ich mal einen Tipp abgeben, woran Paulus eventuell gelitten hat.

Apostelgeschichte 13,4 – 14,28 beschreibt die erste Missionsreise  des Paulus. Am Ende des Kapitels 14 predigen er und Barnabas in Lystra. Es geschehen, wie überall, Zeichen und Wunder, aber das Volk ist gespalten. Dann kommen Juden aus der Gegend und wiegeln das Volk weiter auf (19-20). Das Resultat ist, dass Paulus gesteinigt wird. Man lässt ihn für tot liegen, also wird er entweder wirklich tot gewesen sein und Gott hat ihn wieder auferweckt, oder er war immerhin in einem so schlechte Zustand, dass die Männer die ihn steinigen wollten ihn für tot hielten.
Aber er stand wieder auf und ging am nächsten Morgen mit Barnabas nach Derbe. Die Städte liegen zu Fuß etwas mehr als eine Tag auseinander. Beide Städte liegen in Galatien, so dass ich mir gut vorstellen kann, dass Paulus bei seinem ersten Besuch in der Gegend etwas angeschlagen war. Ich kann mir auch vorstellen, dass es nicht einfach oder ungefährlich war einen Prediger aufzunehmen, der in einer anderen Stadt schon einmal gesteinigt wurde.

Für Christen, die nicht an Heilung glauben stellen diese Verse oft einen Beweis dafür dar, dass Gott nicht jeden heilt. Sie sagen: „wenn selbst Paulus krank war, können wir bestimmt nicht davon ausgehen, dass es unser Recht ist, gesund zu sein“. Dass die Auslegung, dass es sich bei dem Stachel um Krankheit handelt, auf wackligen Beinen steht, haben wir schon festgestellt. Aber noch schlimmer ist, dass sie lesen: „Gott hat Paulus einen Stachel ins Fleisch gegeben, der ihn demütig halten sollte.“ Damit deuten sie an, dass Gott Paulus krank machte um ihm einen Anker zu geben, der dafür sorgt, dass er wegen seiner vielen Offenbarungen nicht übermütig wird.

Dass auch diese Auslegung alles andere als akkurat ist, zeigt der nächste Post. Bleibt also dran, wenn es nächste Woche heißt: „Der Stachel kam nicht von Gott“

[Originalpost]

Lesen Sie auch:

Heilung XVI – berühmte Kranke im NT I

Bild: © Heinrich Lange | pixelio.de

2 Gedanken zu “Heilung XVII – berühmte Kranke im NT II – Paulus I

  1. Hallo Zusammen,
    Gerade heute hab ich mit diesem Thema,
    Paulus und ’sein‘ Pfahl in seinem Fleisch beschäftigt.
    Anhand einiger Bibelstellen im AT 4.Mose 33.55, Josua 23.13 und Hesekiel 28.24 fand ich heraus, dass damals schon die Worte Stachel und Dornen sîch auf alles Andere als auf eine Krankheit bezieht. Mit Stachel und Dornen werden in diesen Bibelstellen, Situationen, Mühsale und andere schwierige Situationen beschrieben in welche das Volk Gottes kommen würde fals sie die ‚Feinde‘ nîcht total vernichten würden.
    Also heisst das für mich dass bei Paulus die Leiden die er an seinem Leib zu spüren bekam von seinen Feinden und Verfolger zugefügt bekam…er sich dadurch oftmals schwach und hilflos vorkam.
    Denn in Vers 10 von 2.Korinther 12 steht geschrieben:
    Und so trage ich alles, was Christus mir auferlegt hat – alle Misshandlungen und entbehrungen, alle VErfolgungen und Ängste. Denn ich weiss: Gerade wenn ich schwach bin, bin ich stark.
    so viel von mir, und mit herzlichen Grüssen
    silvia

    Liken

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.