Heilung IX – Die Gabe(n) der Heilung(en) II

sonnehandIch weiss, dass viele Christen entmutigt werden wenn sie hören, dass es Gaben der Heilungen gibt. Sie lesen von einer Salbung und meinen: „habe ich nicht, dann brauche ich ja gar nicht erst für Leute zu beten.“
Das ist ein falscher Gedanke und ich vermute, dass es sogar ein satanischer ist. Es gibt kaum etwas, das uns so effektiv aus einem Wunderdienst heraushalten kann wie dieser Gedanke. Deswegen möchte ich heute der Frage nachgehen, ob man auch Heilungen erleben kann ohne eine entsprechende Salbung zu haben.

Kann man übernatürliche Heilungen erleben ohne Christ zu sein? Ganz bestimmt!
sela! (an diese Stelle gehört in einer Predigt eine rhetorische Pause zum Luftholen!)

Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? 23 Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter! (Matthäus 7,21-23 nach der Elberfelder)

Ich muss sagen, dass mir diese Verse immer Kopfzerbrechen bereitet haben. Es gibt in meinem Leben als Christ keine längere Phase ohne dass Übernatürliches passiert ist. Damit meine ich nicht nur Sprachenbeten, dass ich eigentlich jeden Tag tue, seit ich mit dem Heiligen Geist erfüllt bin, sondern auch Heilungen usw. Dennoch gab es auch keine längere Phase ohne den heftigen Wunsch nach mehr. Je mehr ich mit Gott erlebt habe umso grösser ist mein Hunger nach mehr geworden weil mir immer klarer wurde, dass es keine Grenze gibt. Gott kann alles.
Deshalb habe ich mich immer nach Prophetie, Befreiung und Wunderwerken ausgestreckt, wie hier beschrieben ist. Ich konnte nicht verstehen wie ein hingegebener Christ wie ich ständig betet und auf der Suche ist und es auf er anderen Seite am jüngsten Tage Leute geben wird, die nicht mal ihre Eintrittskarte in den Himmel haben und dennoch die Werke taten nach denen ich mich gesehnt habe!

Die Beziehung verlieren

Mein erster Erklärungsansatz ist, dass man wieder von Gott wegkommen kann wenn man in seiner Kraft lebt. Ein grosses Geheimnis ist Römer 11,29: Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar. Im Originalzusammenhang ist es auf Israel gemünzt, aber Israel illustriert hier nur ein Prinzip: Gott lässt es sich nicht gereuen etwas gegeben zu haben, auch nicht wenn der Empfänger sich der Gabe längst nicht mehr als würdig erweist.
An diesem Prinzip ist schon manch einer irre geworden. Man sieht einen Diener Gottes, der in offensichtlicher Vollmacht unterwegs ist. Wunder geschehen, Leute kommen zum Glauben und das Reich breitet sich aus. Dann lernt man diesen Menschen näher kennen und stellt fest, dass er nicht unbedingt den gängigen Heiligkeitsstandards entspricht – vorsichtig ausgedrückt. Alle Jahre wieder gibt es dann ein Skandal: ein Evangelist von weltweitem Ruf wird erwischt als er zugekokst aus einem Bordell wankt; nicht schön das.
„Warum nimmt Gott seine Gabe dann nicht wieder weg?“, fragt jemand zurecht. Ich glaube, weil Gottes Gaben eben Gnadengaben sind, die man sich nicht durch gute Führung erarbeiten kann wie eine vorzeitige Haftentlassung. Deswegen ist die Gabe auch nicht sofort weg wenn man daneben tritt. Zum Glück eigentlich, denn sonst würde wohl niemand je in Vollmacht kommen und leben; keiner könnte eine Gabe ausüben weil niemand ganz heilig lebt. Auf der anderen Seite heisst es aber, dass schlimme Konsequenzen leider vorkommen können, so ist das wenn man mit Menschen arbeitet.

Eine mögliche Erklärung ist also, dass Jesus sich hier auf Christen bezieht die gut angefangen und schlecht geendet haben. Sie sind in Vollmacht gekommen, haben gelernt ihre Gaben einzusetzen und haben sich dann Stück für Stück von Gott entfernt, sind aber im Dienst geblieben. So etwas passiert regelmässig. Ich kann mir gut vorstellen, dass das bis dahin geht, dass man nur noch nach aussen hin Christ ist, eine Fassade, während man eigentlich längst aufgehört hat mit dem Herrn zu leben.
Dann könnte es sein, dass einen ein überraschendes Urteil erwartet (zumindest für Zuschauer): trotz Wunderdienst keine lebendige Beziehung mehr zu Gott, keine Ewigkeit bei Jesus. Auch wenn ich diese Stelle mittlerweile anders verstehe schreibe ich mir diese Auslegung hinter die Ohren: ich will mich mehr um meinen Charakter kümmern als um meine Gaben!

Nichtchristen, die Wunder tun

Ein Punkt stimmt an der Auslegung oben nicht ganz. In der Elberfelder sagt Jesus: „ich habe euch niemals gekannt.“ Im Grundtext steht das auch. Würde es sich um Christen handeln die wieder vom Glauben weggekommen wären könnte Jesus nicht sagen, dass er sie nie gekannt hätte. Es ist also anzunehmen, dass es sich tatsächlich um Leute handelt, die nie mit Jesus unterwegs waren.
In Markus 9 ist eine kleine Geschichte erwähnt wie jemand, der nicht mit Jesus zog in dessen Namen Dämonen austrieb (nicht versuchte, sie auszutreiben, sondern sie austrieb!):

Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. (Markus 9,38-40)

Ich vermute, dass dieser Mensch in einem Gottesdienst Jesu gewesen ist und gesehen hat, wie Jesus Dämonen austrieb und Wunder tat und einfach dasselbe probiert hat. Das scheint damals, mit wechselnden Erfolgen, durchaus üblich gewesen zu sein wie die Geschichte der Söhne des Skevas in Apostelgeschichte 19,14ff zeigt.
Es ist schwer zu verstehen, aber die unsichtbare Welt funktioniert nach Gesetzen, ebenso wie die sichtbare, und es ist möglich in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen zu leben und zu arbeiten und dabei übernatürlich Ergebnisse zu erzielen. Manches von dem was Anhänger anderer Religionen erleben kann darauf zurückgeführt werden dass es eingewisses Verständnis für die Realität der unsichtbaren Welt gibt; manches ist natürlich auch einfach dämonischen Ursprungs.

Eine heftige Geschichte, die dieses Prinzip illustriert hat Smith Wiggleswort erlebt. Smith ist einer meiner Lieblingsprediger und einer, der im Übernatürlichen gelebt hat wie kaum ein anderer. Er hat eine ungewöhnliche Lebensgeschichte: er musste schon als Kind unter Tage arbeiten und war in seinem ganzen Leben keinen Tag in der Schule. Seine Frau Polly hat ihm mit der Bibel lesen beigebracht und er hat Zeit seines Lebens kein anderes Buch gelesen. Als Polly starb war Smith schon Prediger und für seine Gabe des Glaubens bekannt. In seinem Dienst sind die krassesten Wunder passiert, u.a. 23 Totenauferweckungen. Polly starb auf dem Weg von der Kanzel zur Kirchentür. Man trug ihren Leichnam nach Hause und Smith kam einige Stunden später, er war unterwegs. Er ging in das Zimmer in dem Polly lag und „holte sie zurück“ (mir fällt keine bessere Umschreibung ein). Als wäre das nicht schon heftig genug sprach Gott dann zu ihm und sagte (sinngemäss): „Ihr Auftrag ist erledigt. Lass sie gehen“.
Es ist also, ab einem gewissen geistlichen Niveau offenbar möglich grosse Wunder zu wirken ohne dass diese von einer Inspiration des Heiligen Geistes abhängen. Man kann Wunder wirken, die nicht ihn Gottes Willen sind.

Dieses Prinzip scheint für Christen und Nichtchristen gleichermassen zu gelten. Das, was uns im Endeffekt unterscheidet ist die Beziehung zu Jesus.

Drei Arten zu heilen

Kommen wir also zurück zu der Frage, ob man Heilungen erleben kann ohne die eine spezielle Salbung (oder Gabe) der Heilung zu haben. Meiner Erfahrung und theologischer Erkenntnis nach gibt es drei Arten zu heilen: in der Salbung, durch den Glauben und durch Gebet.

Die Salbung kann spürbar sein. Ich mag das Wort noch immer nicht richtig, aber ich liebe, was sie ist. Es gab Leute für die ich um Heilung gebetet habe, bei denen unter Handauflegung etwas spürbar geflossen ist. Einmal habe ich für eine junge Frau mit Bauchproblemen gebetet (von denen sie mittlerweile frei ist) und habe die Hand kurz über ihren Pullover gehalten. Beim beten spürte ich eine grosse Wärme, eigentlich eine Hitze. Ich habe dann gefragt: „merkst Du das auch?“ (es ist immer gut zu fragen wenn man erfahren will, ob etwas passiert.)
„nein“, sagte sie. Ein paar Sekunden später spürte sie dann, wie sich eine starke Hitze in ihrem Bauch ausbreitete. Als sie dann ihre Haut anfasste war die ganz normal warm, die Hitze war also nur da wo etwas geheilt werden musste.
Das meine ich damit, dass die Salbung oder Heilungskraft spürbar ist. Man kann in dieser Salbung arbeiten und Menschen sozusagen Heilungskraft vermitteln. Alle Leute, die eine Heilungsgabe haben kennen das Gefühl.

Auf der anderen Seite kann man aber auch ohne eine spürbare Kraft geheilt werden, einfach indem man glaubt, dass Jesus für die Heilung gestorben ist. Ich kenne Menschen, denen wurde es auf einmal klar, dass sie geheilt sind und dan waren sie auch gesund. Ohne Handauflegung, ohne Gebet, ohne etwas zu spüren, einfach im Glauben.
So kann jeder Heilung erleben.

Selbst wenn man keine ausgewiesene Gabe der Heilung hat sollte man für Kranke beten. Der Geist kann tun, was er will und er kann durch jeden fliessen der willens ist Kanal zu sein. Wenn Du für Heilung glaubst, solltest Du ausprobieren was Gott durch dein Gebet tun will. Es gibt viele Fälle in denen einfach gebetet wurde und Gott hat Wunder getan. Markus 16 gilt jedem Christen. Gott will durch jeden von uns wirken, wir sollten ihm einfach Gelegenheit geben!

[Originalpost]

Lesen Sie auch:
Heilung VIII – Die Gabe(n) der Heilung(en) I
Heilung VII – Das Evangelium III – Der Dienst Jesu
Heilung VI – Das Evangelium II – Heilung ist Teil der Erlösung
Heilung V – Das Evangelium I – Erlösung
Heilung IV – Das Reich und der Auftrag III – Kennzeichen des Reiches
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Heilung II – Das Reich und der Auftrag
Heilung I – ausgewogene Theologie

Bild: © cosma2202 | pixelio.de

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