Gedanken zur Berichterstattung über den “Ehrenmord” in München

ehrenmord kmiloVon dawa-news.de In München hat ein Afghane seine wohl mögliche Frau bzw. Partnerin umgebracht, da sie eine Beziehung mit einem anderen Mann eingegangen ist. Den Mord stützte er mit Quranaussagen – So möchte es uns jedenfalls der Spiegel-Online mit seiner Überschrift “Afghane ersticht Frau und beruft sich auf Koran” klar machen.

Die Anti-Islam-Propaganda scheint auch nach dem ersten Mordfall nicht aufhören zu wollen. Der Weg scheint eindeutig zu sein: Wenn über das Wort Islam fällt wird, dann muss es in einem negativen Rahmen fallen.

Der Artikel, der auf Spiegel-Online zu lesen ist, ist äußerst schwammig geschrieben. Denn wenn man sich den Text nach der Einleitung genau durchließt, kommt man zum Ergebnis, dass unser Bruder, der mit dieser Tat gezeigt hat, wie weit er von der islamischen Lehre entfernt ist, seiner Frau auf Berufung von Quranstellen verboten hat, sich mit dem Mann zu treffen.

“Unter Berufung auf eine Stelle im Koran verbot ihr der Täter dies zunächst und forderte sie auf, wieder zu ihm zurückzukommen.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,…92,00.html

Als sie nicht reagierte, zog der Mann eines Nachts ein Messer und stach auf sie ein. Wo steht hier, dass er die Rechtfertigung dieses abscheulichen Mordes, im Quran gefunden hat, wie es kurz in dem Teaser steht:

Eifersuchtsdrama oder Ehrenmord? In München hat ein 27-Jähriger seine frühere Partnerin erstochen, weil diese eine neue Beziehung eingegangen war. Der aus Afghanistan stammende Verdächtige ist geständig – und rechtfertigt die Tat mit einer Stelle aus dem Koran.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,…92,00.html

Der Text zeigt, dass er unserer Schwester unter Berufung des Qurans verboten hat, sich mit fremden Männern zu treffen und nicht, dass er den Mord auf den Koran gestützt hat.*

*Siehe Anmerkung am Ende des Artikels

Der Mord ist für uns nicht mehr und nicht weniger als Eifersucht – ein Mordmotiv, dass unter den Menschen keinem Fremd sein sollte. Selbst wenn er meinte, dass der Islam ihm die Rechtfertigung für eine so schreckliche Tat gegeben hat, so hat er sich wahrscheinlich niemals mit dem Islam richtig befasst, sondern sich von Emotionen leiten lassen. Genauso sieht es auch aus, wenn man sich das Leben der anderen “Ehrenmörder” anschaut:

Der “Ehrenmöder” von unserer Schwester Hatun Sürücü, nämlich ihr Bruder Ayhan, hatte selbst eine Freundin:

„ Allein durch die Aussage von Melek, zur Tatzeit die Freundin des geständigen Ayhan Sürücü, war die Staatsanwaltschaft in der Lage, Anklage zu erheben”

Er wurde aufgrund von Schlägereien und Drogenbesitz angeklagt:

„Am 5. April 2007 wurde Ayhan Sürücü erneut verurteilt und erhielt drei Monate Haftverlängerung wegen einer Schlägerei in der Jugendstrafanstalt, Gefangenenmeuterei und Drogenbesitz.“

Er trug eine Golduhr und zeigte sich hochmütig:

Jedes Mal, wenn die Hauptzeugin und ihre Mutter mit Bodyguards und Schusswesten den Gerichtssaal betraten, krempelte der Angeklagte Ayhan Sürücü den Ärmel hoch und zeigte demonstrativ seine goldene Armbanduhr.

Das Tragen von Gold für Männer und das hochmütige Auftreten sind im Islam untersagt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

Ayhan führte also kein streng islamisches, sondern ein streng unislamisches Leben.

Es ist eindeutig und unter Geschwistern, die den Islam wirklich praktizieren, nichts Neues, dass der Islam Selbstjustiz verbietet – niemand hat das Recht, ein Messer zu nehmen und jemanden zu töten.

So sagte der islamische Gelehrte Imam al-Qurtubi:

„Es gibt keine Meinungsunterschiede unter den Gelehrten bezüglich der Tatsache, dass vergeltende Strafen, wie beispielsweise die Hinrichtung, von niemanden ausgeführt werden können als von denen, die in dieser Sache die staatliche Autorität besitzen und mit dieser Aufgabe (die Strafen durchzuführen) beauftragt sind.“

(Tafseer al-Qurtubi, 2/245, 246)

Eine weitere Aussage, vom “Ständigen Komitee für Rechtsfragen”

„Die Hadd-Strafen können nur von einem islamischen Staatsoberhaupt ausgeführt werden, oder von dem, der seinen Platz einnimmt / ihn vertritt. Es ist einem islamischen Individuum nicht erlaubt diese Strafen durchzuführen, aufgrund der Unruhe und dem Chaos in welchem dies münden würde.“

(Fataawa al-Lajnah al-Daa’imah 7 / 21)

http://www.fragenzumislam.de/?p=92#7

Taten, wie die “Ehrenmorde” sind eine Schande für die Muslime.

So Allah will, werden wir euch in den nächsten Tagen einen allgemeinen Artikel über “Ehrenmord im Islam” veröffentlichen.

Edit: Wie die Bildzeitung berichtet, hat er auch den Mord auf den Koran berufen:

“Der Koran erlaubt mir, meine Frau zu töten, wenn sie einen anderen liebt”

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,637307,00.html

Doch bleibt die Kernaussage unseres Artikels erhalten: Der Islam bietet keinerlei Rechtfertigung für sogenannte “Ehrenmorde” und somit sagen wir uns ganz klar und deutlich von derartigen Schandtaten los.
(BarakAllahu fieki an Schwesterchen)

Quelle  -mit freundlicher Genehmigung von dawa-news.de

foto: k millo,flickr.com

17 Comments

  1. Leider hat das nicht der Spiegel erfunden. Zitat aus dem offiziellen Pressetext des Polizeipräsidiums München:

    „… kam es zur Tatzeit zum Streit, da die Ehefrau ausgehen wollte. Hinsichtlich der persönlichen Beziehungen bestehen unterschiedliche Aussagen. Der Täter gibt an, mit dem Opfer nach afghanischen Recht verheiratet zu sein. … Unter Berufung auf eine Stelle im Koran verbot ihr der Täter dies zunächst und forderte sie auf wieder zum ihm zurückzukommen. Als sie dies ablehnte, zog er ein bis dahin verdeckt gehaltenes Messer und stach unvermittelt mehrfach auf sein Opfer ein. … Der Täter wurde im Laufe des heutigen Vormittages bei der Mordkommission München unter Hinzuziehung eines Dolmetschers vernommen. Er räumt die Tat vollumfänglich ein und beruft sich auch hier auf seine aus dem Koran abgeleiteten Rechte.“

  2. Ach Marc – du alter Qur´an Versteher !
    Watt is denn nun mit Dir ? Wieviel Qur´an hasse denn nun bis getz jelesen ?
    Die Besesitzverhältnisse bzw die Rechte einer Frau sind im Qur´an doch recht klar dagelegt – aber DU wirst dafür bestimmt wider eine sinnentfremdene Auslegung ( Umdeutug ) finden. Was nicht passt wird passend gemacht ! Amen.

  3. Ja und wer sind „diejenigen“ ?

    Ich kann Dir jemanden Empfehlen. Der Typ heißt „Barino“ – guck mal bei google oder youtube. Der WDR hat zwei Dokus über ihn gemacht. Sehr interessant, sowohl die erste wie auch die zweite – vor allem, wenn man in der Lage ist mit Verstand zu gucken !

  4. Theolounge, das kapiere ich nicht, wie du den Text völlig unreflektiert übernehmen kannst.
    Was zurück gewiesen wird, ist die Selbstjustiz, aber nicht die Todesstrafe für Ehebrecher. In diese Richtung wird keine Abgrenzung vorgenommen!

  5. Für einvernehmlichen außerehelichen Geschlechtsverkehr sieht der Koran (Sure 4, Vers 15) bei volljährigen Frauen, die verheiratet sind oder waren, lebenslangen Hausarrest oder einen von Gott geschaffenen, nicht näher beschriebenen „Ausweg“ vor. Dieser Ausweg ist in der Rechtspraxis die Steinigung.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hadd-Strafe

    Und wenn welche von euren Frauen Unziemliches begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf; bezeugen sie es, dann schließet sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg eröffnet.
    (Sure 4,15)

  6. @Philip

    Ich verstehe es so, dass die ganze Sache als nicht für einen gläubigen Moslem angemessen gesehen wird. Ich kann nicht erkennen, wo dort die Todesstrafe für Ehebrecher gefordert werden sollte.

  7. Boah Marc,

    wie vernagelt muß man eigentlich sein, um alles was in der Realität statt findet auszublenden.

    Hier mal noch der youtube link zu Barion

    Es gibt eine Doku „Koran im Kopf“ und „Koran im Kopf 2“

    Barions Weg in den Islam und Barions weg aus dem Islam heraus.

  8. Dialog der Kulturen
    Wenn eine Seite Respekt predigt und die andere Botschaften anzündet.

  9. @Theolounge:

    Die Todesstrafe wird in dem Artikel nicht gefordert, aber es ist auffällig, dass keine Abgrenzung zu radikalen Moslems vorgenommen wird, welche die Todesstrafe für Ehebrecher für angemessen halten.

    Es liegt die Vermutung nahe, dass der Schreiber des Artikels mit der Todesstrafe in islamischen Ländern einverstanden ist, solange sie von einem islamischen Staatsoberhaupt bzw. seinen Vertretern vollstreckt wird. Oder, dass sich der Schreiber zumindest nicht von Leuten distanzieren möchte, welche diese Meinung vertreten.

  10. Hmm, kann sein, kann nicht sein. Das sind Vermutungen.
    Ich denke, es ging in dem Artikel eigentlich darum, klarzustellen, dass ein „Ehrenmord“ nicht im Sinne des Islam ist. Das war m.E. das Hauptanliegen.
    Wenn man das so interpretiert wie Du, dann überinterpretiert man den Artikel, denke ich.

  11. Meine Vermutungen würden sich mit einem einfachen Statement gegen die Todesstrafe ausräumen lassen. Aber leider habe ich so etwas bisher noch nicht gelesen.
    Deshalb muss ich weiter davon ausgehen, dass die Todesstrafe (u.a. für Apostaten, Schwule und Ehebrecher) im Sinne des Islams ist.

  12. Hmm, ich weiß nicht: wenn Du zufällig einen christlichen Artikel zum Thema liest, der das Ganze bedauert (aber sich nicht definitiv gegen die Todesstrafe wendet), vermutest Du dann auch, dass die Christen für die Todesstrafe sind ?

  13. Also wenn du so an die Sache rangehst, machst du es dir – denke ich – zu einfach. Man muss schon genau hinschauen, was gesagt wird und was nicht gesagt wird. Zeig mir doch mal einen Artikel, in dem von muslimischer Seite die Todeststrafe für Ehebrecher abgelehnt wird und dies auch theologisch (mit Koran, Hadith, usw.) begründet wird.

    Wir müssen doch nicht spekulieren, sondern können nachfragen. Frag‘ doch deine muslimischen Freunde, wie sie zur Todesstrafe (allgemein und speziell in muslimischen Ländern) stehen.

    Meine Erfahrung ist, dass sie sich vor einem klaren Statement drücken, oder die Frage komplett ignorieren. Zumindest die Muslime, die regelmäßig Moscheen besuchen. Ich rede hier nicht von „säkularen Muslimen“.

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