Glaubenskrise – oder: Im Gehorsam steh ich auf

2007.07.12-outdoor-hg (2)Higher Ground

Alle vier Wochen organisieren wir einen Gottesdienst der besonderen Art: Von jungen Leuten gestaltet kommt peppige Musik, Videos, Anspiele und kreative Dekoration zum Einsatz. Dazu wird noch jeweils ein Prediger eingeladen, der was zu sagen hat und es auch versteht, meist junge Leute oder Menschen, die bisher eher kirchendistanziert waren, anzusprechen. Bisjer wurden über 60 solcher Events durchgeführt. Bis auf gestern – da sollte es mal ein Outdoor-Higher-Ground werden – mit Musik ohne Verstärker, Zeugnissen aus dem (Glaubens-)Leben und anschliessendem Grillen auf einem lauschigen Platz am Waldrand.

Wer ist für Sonnenschein zuständig?

Die vorgängige Woche war immer wieder durch Blicke zum Himmel oder zur Wetterkarte gekennzeichnet: Wie würde das Wetter am Wochenende sein, wenn es jetzt schon dauernd regnete? Können wir es wagen, so einen Freiluftgottesdienst zu planen? Würde es Regen geben? Na klar – Beten hilft. Sagt man. Stimmt auch. Aber glaube ich auch daran? Als Hauptverantwortlicher hatte ich so meine Zweifel. Einen Plan B würde es nicht geben, weil unser Saal, den wir sonst benutzen, durch ein Musikseminar belegt war. Also musste es „gutes“ Wetter sein – ansonsten müssten wir den Abend abblasen. Sehr hilfreich war – mal wieder – meine Frau, die fast lakonisch sagte: „Du musst einfach Vertrauen haben, Gott weiss es doch.“ Recht hat sie. Aber wie produziert man Vertrauen…? Mehr als beten konnte ich auch nicht.

Sonne und Regen

Zirka eineinhalb Stunden vor Beginn schafften wir Bänke auf den Platz, besorgten Holz fürs Feuer und stellten einen Generator auf (einen minimalen technischen Aspekt – wenigstens für ein Mikrofon zum Reden – sollte es denn doch geben). Als ich noch mal ins Tal fuhr, um eine Axt zu holen, fing es an, zu regnen. „Herr, das kannst Du mir doch nicht antun!“, rief ich Weiterfahren. Naja, er konnte…, jedenfalls eine Weile. Dann hörte es wieder auf.

2007.07.12-outdoor-hg (26)Als die ersten Gäste kamen, schien es dann doch ein trockener Abend zu werden. Das Feuer brannte romantisch hell, die ersten Lieder erklangen und auch bei meiner Einführung ins Thema – Zeugnisse, oder was man mit Gott erlebt hatte – hielt das Wetter noch durch. Aber dann kamen die ersten Tropfen. Beten, besorgte Blicke zum Himmel, weitermachen im Programm wechselten einander ab. Beim nächsten Zeugnis regnete es schon heftiger. Die Leute holten ihre Schirme und Regenjacken raus. Und das nächste Lied, die nächste Geschichte… Immer wieder kamen Regenschauer – und meine Laune wurde immer düsterer. 2007.07.12-outdoor-hg (38)Nur über dem Elsass ging die Sonne farbenprächtig unter, bahnte sich einen Weg durch die Wolken.

Sauer

Dann beendeten wir den offiziellen Teil des Abend. Es war eh bei der Nässe nicht sehr gemütlich. Aber beim anschliessenden Grillen wurde es wieder lustiger. Nur nicht bei mir. Obwohl ich ja nichts für den Regen konnte, die Zeugnisse und Erlebnisse der Leute sehr interessant und ermutigend waren und auch keiner der Gäste vorzeitig den Platz verliess – ich wurde immer trübsinniger. Da hatten wir so sehr um Nicht-Regen gebetet, aber Gott dachte wohl anders über den Abend. Ich fotografierte zwar den tollen  Zu Hause half auch keine Ablenkung, meine Laune besserte sich nicht mehr. Irgendwie fühlte ich mich als Versager oder war letztlich sogar sauer auf Gott. Dabei war ja eigentlich nichts Schlimmes passiert. Nur ein bischen Regen halt…

Im Gehorsam steh ich auf

Am nächsten Morgen hielt die Traurigkeit immer noch an. Auf dem Weg zu Arbeit redete ich noch mal mit meinem Herrn, bat ihn um Entschuldigung für meine Vorwürfe und auch um ein paar Lichtblicke für meine Seele. Nach dem Beten wollte ich noch Musik hören und entschied mich gegen ein Radioprogramm, aber für Lieder von einer CD. Und dann kam der Hammer! Schon oft gehört, aber nie wirklich zugehört, ein Song von Danny Plett:

Warum ist mein Herz so leer? Warum fühl ich diese Schwere*
Wenn ich vor Dich treten will, Herr?
Warum ist mein Herz so kühl? Woher kommt nur dieses Schweigen
Wenn ich Dich verehren will, Herr?

Doch im Gehorsam steh ich auf,
Suche Deine Gegenwart.
Und so lang ich leb, mein Gott,
Bring ich mein Lob als Opfer dar.

Auf dem Tiefpunkt dieses Tals, tief im Winter meines Glaubens
Sehn ich mich nach Deiner Hand.
Noch seh ich durch einen Schleier, und Dein Bild ist mir verborgen
Doch ich halte fest an Dir, Herr.

Doch im Gehorsam steh ich auf,
Suche Deine Gegenwart
Und so lang ich leb, mein Gott,
Bring ich mein Lob als Opfer dar.

Auch wenn ich sie nicht versteh‘ Deine grenzenlose Weisheit
Weiss ich doch:  Dein Wort ist wahr.
Auch wenn ich Dich noch nicht seh
Und auch nicht Dein Flüstern höre
Wähl ich doch, Dir zu vertrau’n.

Doch im Gehorsam steh ich auf,
Suche Deine Gegenwart.
Und so lang ich leb, mein Gott,
Bring ich mein Lob als Opfer dar.

Und plötzlich war es wie Salbe auf eine wunde Stelle. Auch Andere hatten wohl manchmal das Gefühl, Jesus nicht mehr zu hören, zu spüren, zu sehen… Aber trotzdem weiter an ihm festzuhalten, das nahm ich mir in diesem Moment auch vor. Mit feuchten Augen. So hat mich das Lied getroffen, ermutigt, berührt.

Ab da war der Tag gelaufen und meine Traurigkeit verflogen. Ich weiss zwar immer noch nicht, warum es ausgerechnet gestern Abend regnen musste, aber der Chef kann ja wohl tun und lassen, wie er will. Schliesslich ist er der HERR! Und vielleicht erfahre ich es ja später mal…

Dass es heute wieder so richtig warm und auch trockenes Wetter war hat mich dann auch nicht mehr gestört.

*Text by Danny Plett Originaltitel: A Sacrifice, Text und Melodie:  Danny Plett, Deutsche Fassung:  Arne Kopfermann, Psalm 51, 17.  Psalm 141, 2. Hebräer 13, 15.

[Originalpost]

Fotos: A. Meissner