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Wer Dich bittet, dem gib (Matthäus 5,42) – aber pass auf, dass es das Sozialamt nicht sieht

bettlerEin gewisses Maß an Bürokratie bin ich als eingeborener Deutscher ja durchaus gewohnt. Vieles, vielleicht sogar das allermeiste, was geregelt ist, hat ja auch irgendwie seinen Sinn. Aber wie sagte schon Jesus: Der Sabbat (also die Regelungen des Sabbat) ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat (vgl. Markus 2,27).

Eine dieser bürokratischen Kapriolen, die bei mir nur noch Kopfschütteln auslösen, trug sich nun in Göttingen zu. Dort hat ein Sozialhilfeempfänger sein karges monatliches Salär durch Betteln in der Fußgängerzone aufzubessern gesucht. Der für ihn zuständige Sozial-Bürokrat hat dies zufällig gesehen, und hatte nichts Besseres zu tun, als zu beobachten, welche Summe sich der Bedürftige zusammenbettelt, diesen Betrag auf den Monat hochzurechnen, und zu veranlassen, dass dem Sozialhilfeempfänger 120 Euro von der Sozialhilfe gekürzt wird (weil er sich durch die Bettelei ja schließlich etwas dazuverdient).

Nach einem Aufschrei der Empörung, der auch in der Bloggosphäre seinen Niederschlag fand – vgl. u.a. „Göttingen: Von Bettlern und Beamten“ (Der Göttinger Landbote), „Deutschland ganz unten“ (Mein Politik-Blog) oder auch „McKinsey, die Unternehmensberaterfirma mit den meisten Hochbegabten in ihrem Team, rät den Bettlern in Göttingen …“ (Notizen aus der Unterwelt) – wurde die Kürzung zumindest schon mal auf 50 Euro reduziert.

Ich finde dieses bürokratische Verhalten trotzdem noch immer zum Haareraufen. Was ist das für eine Struktur, wenn Pleitebanker noch Millionen-Boni für ihre Schlecht-Leistung hinterhergeworfen bekommen, weil das nun mal eben im Vertrag vereinbart ist, während Kassiererinnen wegen vorgeblicher Unterschlagung von Pfand-Coupons in Höhe von 1,30 Euro (vgl. „Fristlos gekündigt wegen 1,30 Euro„) entlassen werden oder Sozialhilfeempfängern die Sozialhilfe gekürzt wird, weil sie noch etwas dazubetteln, um über die Runden zu kommen.

Da ist doch irgendwie kräftig was faul in diesem Staate …

Weitere Hintergründe zum geschilderten Fall:

Foto: jphintze – Quelle: http://www.flickr.de

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