Charakter

hiob1Ich arbeite mich gerade wieder einmal durch Hiob. Die letzte intensivere Beschäftigung mit diesem interessanten Buch liegt lange zurück und es wird einfach mal wieder Zeit. Ausserdem habe ich den Eindruck, es durchlesen zu sollen um einige falsche Haltungen gegenüber Gottes (Nicht)Wirken zu entdecken (über dieses Thema werde ich allerdings eher nicht posten). Es ist also in den nächsten Wochen immer wieder einmal damit zu rechnen, dass hier Hiobbetrachtungen zu lesen sind. 

9 Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, daß Ijob Gott fürchtet? 10 Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land. 11 Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus, und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. (Hiob 1,9-11 nach der Einheitsübersetzung)

Viele Christen leben so, wie Satan es sich vorstellt: In den guten Zeiten stehen sie zu ihrem Gott, bekennen sich zu ihm und leben “geistlich”; geht es ihnen aber schlecht, fluchen sie Gott ins Angesicht und können nicht mehr glauben. Es ist deprimierend zu lesen, dass es offensichtlich genau das ist, was Satan sich vorstellt; gleichzeitig entlarvt es seine Strategie uns aus der Innigkeit mit Gott zu holen: Verschlechterung der Umstände. Es ist die alte Lüge (und sie ist tatsächlich schon sehr alt wenn sie in einem ca. 4000 Jahre altem Buch zu finden ist!), dass es uns immer so gut geht wie die Umstände es zulassen in denen wir leben. Läuft unser Leben gut geht es uns gut; läuft unser Leben schlecht, geht es uns schlecht. Ein Prinzip, dass sich scheinbar auch auf unser Leben mit Gott anwenden lässt: Der Mensch als Spielball seiner Umstände. Auch wenn es plausibel klingt, es ist eine Lüge. Wir sind nicht von den Umständen abhängig; weder unsere Liebe und Treue zu Gott, noch unsere Gefühle sind aussengesteuert. Umstände geben uns Anlässe uns positiv oder negativ zu verhalten, aber letztlich bestimmen wir unser Verhalten selbst und willentlich. Wer darüber weiterlesen möchte, kann das hier tun. Als Christen sollen wir die Welt mit allen ihren Umständen überwinden, das ist eine der grössten Verheissungen Jesu, Unabhängigkeit von Äusserlichkeiten (z.B. Römer 8,37). Der weitere Verlauf der Geschichte macht klar, dass Satan sich in Hiob getäuscht hat. Auch als es mit ihm extrem abwärts geht und sogar seine Frau ihm rät, Gott zu fluchen und zu sterben (2,9) bleibt Hiob standhaft und hält Gott die Treue. Satan hatte Hiobs Charakter falsch eingeschätzt. Es gibt einen Spruch, den man immer wieder hört. Er steht in ungefähr jedem Buch über Leiterschaft und Charakterbau oder Heiligkeit: “In Krisen und Druck zeigt sich der wahre Charakter”. Das stimmt, in guten Zeiten ist es einfach höflich, adäquat und zugewandt zu sein, aber im Stress zeigt es sich, ob du es wirklich bist oder ob du nur unter Idealbedingungen so tun kannst. Ob der Glaube überwindet und über diese Welt hinausweist zeigt sich erst in Krisen. Und da ist Hiob ein echtes Vorbild.

[Originalpost]

Bild: © tomwaitsfan | pixelio.de

2 Comments

  1. Als Christen sollen wir die Welt mit allen ihren Umständen überwinden, das ist eine der grössten Verheissungen Jesu, Unabhängigkeit von Äusserlichkeiten (z.B. Römer 8,37).
    Amen. Darauf kommt es an. Das ist der praktische Kern des christlichen Glaubens.
    Leider ist davon wenig zu spüren. Zu sehr lieben wir den Wohlstand und sind deshalb träge im Glauben.

  2. Ja wir leben im Wohlstand. Wir sehen nicht einmal wie schlecht es anderen Christen geht, die wohl ähnlich wie Hiob Gott fluchen könnten. Denn sie werden verfolgt, gequält und getötet, weil Sie an den Herrn glauben.

    Dennoch lassen sie nicht ab von Ihrem Glauben. Wir hingegen sind sogar zu faul für sie zu beten, geschweige denn etwas gegen die Verfolgung zu tun. Im Gegenteil. Wir machen noch Urlaub in diesen Ländern und unterstützen sie damit finanziell.

    Eines Tages wird Jesus die Worte sagen: ich war krank und ihr habt mich nicht besucht … Wer denkt das gilt nicht ihm sollte nochmal in sich gehen …

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