Wie mit Schuldgefühlen umgehen?

Schuldgefühle lähmen und machen hilflos oder auch aggressiv. Oft haben wir nicht mehr die Gelegenheit, Dinge gut zu machen. Sei es weil böse Worte nicht mehr zurückgeholt werden können, sei es weil es keine Möglichkeit mehr gibt, mit diesem Menschen zu sprechen. Auch versäumte Zeit kann nicht mehr nachgeholt werden. Was können wir in einem solchen Fall mit unseren Schuldgefühlen machen?

Zunächst einmal ist es hilfreich, zwischen Schuld und den dazugehörigen Gefühlen zu unterscheiden. Es ist gut, dass diese Gefühle aufbrechen. Wut gegen sich oder andere, Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit begleiten unsere Schuld. Doch sie sind nur die Begleitsymptome. Durch das Ausdrücken der Gefühle kann eine gewisse Linderung erzielt werden. Miteinander sprechen, ein persönliches Ritual wie im Wald spazierengehen, einen Brief verbrennen, Sport oder ein Tagebuch können Mittel sein, um zu lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen.

Doch das Hauptproblem ist die Schuld. Wenn wir diese nicht beheben können, wird der“ Trauerprozess“, unsere Gefühle zu verarbeiten, steckenbleiben. Dies können wir bei vielen Menschen beobachten, die heute noch nicht mit Geschichten fertiggeworden sind, die zwanzig Jahre alt sind. Sie kreisen voller Bitterkeit um eine bestimmte Geschichte, weil sie den Kern des Problems nicht erkennen können oder auch einfach nur nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Schuld kann den Verarbeitungsprozess von Gefühlen zum Erliegen bringen. Was also tun? Schuld erfordert einen Ausgleich. So wie ein Dieb sein Diebesgut zurückgeben muss, muss auch ein „Friedensräuber“ einen Ausgleich für seine Schuld schaffen. Bei einem Dieb entscheidet in der Regel ein Gericht: Gefängnis, Geldbußen oder andere Auflagen können als Ausgleich eingefordert werden. Ziel ist neben der Bestrafung auch ein Umdenken bei dem Betreffenenden zu erreichen.

Auch bei einem „Friedensräuber“ ist das Umdenken der erste Schritt beim Schaffen eines Ausgleichs. Die Bibel nennt dieses Buße. Der griechische Begriff dafür ist „Metanoia“, was im Deutschen seinen „Sinn ändern“ bedeutet. Vielleicht kann die Vergangenheit nicht mehr zurückgeholt werden. Aber durch eine Sinnesänderung bestimmt nicht mehr die Schuld die Zukunft, sondern das erneuerte Denken.

Der zweite Schritt, um einen Ausgleich zu schaffen, ist das Bekennen der Schuld. Vor Gott und dem betreffenden Menschen oder wenn dies nicht möglich ist nur vor Gott. Wir verstecken unseren Schuldschein nicht mehr und halten ihn offen dem anderen hin. Auch bei einem Gericht spielen solche Schuldeingeständnisse eine wichtige Rolle. Sie können zu einer milderen Strafe oder einer „Begnadigung“ führen.

Eine solche Begnadigung kann nur durch eine autorisierte Person erfolgen. Es nützt nichts, wenn ein guter Bekannter zu einem sagt: „Ach, Schwamm drüber, jetzt ist es vorbei.“ Im Gericht ist es nur der Richter, der die Vollmacht einer Begnadigung hat.

Auch Gott ist unser Richter. In diesem Zusammenhang gewinnt diese Aussage eine zusätzliche Bedeutung, denn Gott sagt in der Bibel von sich selbst, dass er ein Gott der Gnade ist. Er hat unsere Strafe für unsere Schuld auf Jesus, seinen Sohn, geladen. Jesus hat den Ausgleich für unseren Schuldschein am Kreuz und durch seinen Tod geschaffen wie wir in Kolosser 2,13-14 sehen können.

Euch, die ihr tot wart in euren Verfehlungen, im unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, euch hat Gott zusammen mit Christus
lebendig gemacht, indem er uns alle Verfehlungen vergeben hat. Zerrissen hat er den Schuldschein, der aufgrund der Vereinbarungen
gegen uns sprach und uns belastete. Er hat ihn aus dem Weg geräumt, indem er ihn ans Kreuz heftete.

Der dritte Schritt, um unsere Schuld loszuwerden, ist also, dass wir diesen Ausgleich, den Jesus bereits geschaffen hat, in Anspruch nehmen. Doch wir müssen diese Hilfe auch wirklich annehmen. In Schuldnerberatungen wird dies Erfahrung oft gemacht. Es gibt Hilfen und Möglichkeiten, um die Schulden zu reduzieren. Doch weil die Betroffenen nicht zur Beratung kommen, können sie diese nicht in Anspruch nehmen.

Der vierte und letzte Schritt ist das Festhalten oder das Glauben, dass Gott uns vergeben hat. Solange wir uns unter seiner Autorität aufhalten, wird diese Begnadigung wirksam sein. Letztlich machen wir ihn damit zum Herrn unseres Lebens.

Wenn unsere Schuld auf diese Weise ausgeglichen wurde, können wir unsere Gefühle zur Ruhe bringen. Johannes beschreibt dies in der Bibel auf schöne Weise:

1. Johannes 3,18–22:
Meine Kinder, laßt uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.
Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen,
daß, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.
Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott.

Photo credit: Paul Georg Meister, pixelio.de

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