Gezeichnet

seilziehenUnd Jakob blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. Und als er sah, daß er ihn nicht überwältigen konnte, berührte er sein Hüftgelenk; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt, während er mit ihm rang. Da sagte er: Laß mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen! Er aber sagte: Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du hast mich vorher gesegnet. Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Er sagte: Jakob. Da sprach er: Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt. (1.Mose 32,25-29)

In Gottes Segen hineinzukommen ist nicht immer ganz einfach. Oft fühlt es sich so an, als müsste man ihm alles abringen, was man hat und als würde er nichts freiwillig geben – genau wie in der Geschichte von Jakobs Ringkampf mit Gott. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch, ganz richtig ist er aber auch nicht. So wie ich es sehe, gibt Gott sehr wohl freiwillig und gerne, aber wir bekommen nur etwas, wenn wir uns mit Ihm auseinandersetzen.
Das ist ein grosses Geheimnis, etwas, das schwer nachzuvollziehen ist. Aber es ist eine Erfahrung, die jeder von uns macht, der Gott wirklich kennen will und in seinen Wegen leben will. Unser Lebens verändert sich nur, wenn wir uns von Gott hinterfragen lassen, wenn wir uns immer wieder an die Bibel setzen, beten, anbeten usw. Nichts kommt von selbst, obwohl Gott alles schon gegeben hat. Vielleicht beschreibt ein Goethe-Wort besser als meine schwachen Worte, worum es geht: “was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen”. Das Erbe ist bereits da, es gehört uns: Christus ist gestorben und ihm haben wir alles, was Gott uns jemals geben kann (vgl. Kolosser 2,9-10). Dass dennoch so viele Christen so wenig Christus in ihrem Leben zu haben scheinen mag daran liegen, dass sie das Ihre nicht eingenommen, es nicht in Besitz genommen haben. Ohne ein liebendes Ringen mit dem Allmächtigen geht es nicht. Wer die intensive Auseinandersetzung mit Gott – und letztlich auch mit sich selbst! – scheut, der wird das Erbe nicht in Besitz nehmen.
Dabei geht es nicht um einen, ohnehin unmöglichen!, Sieg über Gott. Es geht darum, den Segen in unserem Leben zu leben. Wir werden im Kampf verändert, nicht Gott. Es war nicht Gott, der seinen Namen geändert hat und seitdem hinkte; aus Jakob wurde Israel, der hinkende Gottesstreiter.

Jeder, der in der Erkenntnis Gottes und in Gottes Kraft und Gegenwart lebt, hat diese Auseinandersetzung hinter sich und jeder trägt die Bundesmale. Ein gekrümmter Rücken vom vielen Studieren, ein in sich gekehrter Blick, eine übernatürliche Freude – man erkennt einen “Gottesstreiter”. Israels Bundesmal waren ein neuer Name und ein Hinken, auf das er Zeit seines Lebens stolz sein konnte. Von Jakobus berichtet Eusebius von Cäsarea, “dass er vom vielen beten Knie wie ein Kamel hatte”, Paulus trug die Malzeichen Christi an seinem Körper (Galater 6,17). Jesus selber ging gezeichnet in die Herrlichkeit ein (Johannes 20,27ff).
Sicher besteht das christliche Leben nicht aus Kampf, es ist im wesentlichen nicht hart. Dennoch erfordert es ein gewisses Mass an Ausdauer, Opferbereitschaft und Auseinandersetzung mit Gott(es Wort), um dahin zu kommen, wo Gott uns haben will.

[Originalpost]

Bild: © S. Hofschlaeger | pixelio.de

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