Die Motivation Anderer

zollstockWährend es uns oft schwer fällt die eigene Motivation einzuschätzen, sind wir häufig recht schnell dabei, die Motivation Anderer zu beurteilen. Wer kennt es nicht, dass man jemandem, der eine andere Meinung vertritt unlautere Motive unerstellt, die er gar nicht hat. Ganze Volksgruppen (Politiker!) werden so verurteilt. Denen geht es allen sowieso nur ums Geld oder um Macht. Selbst vor Glaubensgeschwistern macht es nicht halt. Auch da sind die Anderen voller unlauterer Motive. Alle Anderen, nur nicht wir selber.

Mittlerweile bin ich vorsichtig damit geworden, Anderen irgendetwas zu unterstellen. Wie leicht täuscht man sich dabei! Ich habe mir schon vor Jahren vorgenommen, von Anderen nach Möglichkeit das Beste anzunehmen. Das klappt nicht immer, ich bin da auch auf dem Weg, aber ich denke schon lange nicht mehr, dass jeder, der nicht das macht oder sagt, was ich machen oder sagen würde, das, was er macht oder sagt nur aus der denkbar schlechtesten Motivation heraus tut. Das war ein langer Satz, aber es musste sein.

Vielleicht beziehen sich die Stellen im neuen Testament, in denen vom Richten die Rede ist, gerade darauf. Denn natürlich sollen wir die Taten Anderer beurteilen, aber sie nicht verurteilen oder ihnen etwas unterstellen, das noch hinter den Taten liegt. Diese Spannung zwischen etwas beurteilen sollen und niemanden verurteilen dürfen, macht vielen Christen zu schaffen. Sie urteilen dann lieber gar nicht oder diskutieren die biblischen Maßstäbe weg. Aber es geht beides. Jesus hat über beide Leitplanken der Wahrheit gelehrt. In einer Predigt:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr meßt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen. (Matthäus 7,1-6 nach der Einheitsübersetzung)

Also einerseits nicht richten, andererseits aber sollen wir wissen, welche Menschen “Schweine” und “Hunde” sind, die das Heilige und die Perlen nicht vorgesetzt bekommen sollen. Das hat was mit beurteilen zu tun.

Und es ist auch ganz normal: Es gibt Menschen, denen ich nicht mein Herz ausschütten würde, bei denen ich weiss, dass sie nur über die Offenbarungen spotten würden und bei denen es einfach nicht passt.

Ich schlage als ersten Schritt zu einem Leben ohne Richten vor, dass wir Anderen keine falschen Motive mehr unterstellen sondern statt dessen den Balken in unserem eigenen Auge suchen. Aufzuhören, die Taten Anderer zu beurteilen kann nicht richtig sein, denn an ihren Früchten sollen wir Menschen erkennen (immer noch Matthäus 7). Was definitiv falsch ist, ist dann auch noch über die vermeintlichen Fehlhaltungen mit Dritten zu reden oder Menschen lieblos zu kritisieren.
Gerade bei anderen Christen sollten wir sehr vorsichtig mit Unterstellungen sein. Da gibt es einen Vers, den ich oft bete, wenn ich in die Versuchung gerate, die Motive von Geschwistern zu verurteilen:
Wie kannst du den Diener eines anderen richten? Sein Herr entscheidet, ob er steht oder fällt. Er wird aber stehen; denn der Herr bewirkt, daß er steht. (Römer 14,4 )

[Originalpost]

Bild: © M.E. | pixelio.de

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