Wer ist eigentlich Christ?

Der Begriff „Christ“ ist ziemlich verwässert. Man ihn sehr eng oder auch sehr weit fassen. Je nach dem bezeichnet er entweder

– alle, die im (post-)christlichen Abendland, dem „Westen“, also Europa und Amerika leben,
– alle, die einmal (freiwillig oder unfreiwillig) getauft worden sind,
– alle, die (immer noch) irgendeiner christlichen Kirchen (als Mitglieder) angehören,
– alle, die auch irgendwie gläubig bzw. religiös sind,
– alle, die bekehrt und wiedergeboren sind,
– oder einen „heiligen Rest“, der sich besonders abhebt, u.a. durch strikte moralische Einstellungen.

Was sagt nun die Bibel, wer „Christ“ ist?

Im NT gibt es diesen Begriff nur zweimal:

Und als er ihn fand, brachte er ihn nach Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele. In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.
Apg 11,26

Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.

Apg. 26,28
Sicherlich wird das Christsein im NT der Sache beschrieben, ohne immer mit diesem Begriff verbunden zu sein. In Apg 11,26 erhalten wir den Hinweis, dass mit „Christen“ die Jünger bezeichnet wurden.

Auch dieser Begriff kann unterschiedlich gefüllt werden. Es sind zunächst „die Zwölf“, die auch Apostel genannt werden. Dann werden damit aber auch alle anderen bezeichnet, die Jeus nachfolgen.

Auch „Nachfolger“ (dieser Begriff ist nicht biblisch!) lässt sich wieder unterschiedlich füllen. Es sind Menschen, die Jesus hintergelaufen sind aus unterschiedlichen Motiven. Die persönliche Bindung an Jesus war sicherlich unterschiedlich. Da waren Neugierige dabei, aber auch Menschen, die sich an Jesus gebunden haben. Wir können das nicht genau auseinanderdividieren.
Selbst bei den Aposteln können wir vom biblischen Befund her nicht eindeutig klären, ob sie überhaupt getauft sind.

Wir können nachlesen, was Jesus sich unter „Nachfolge“ vorgestellt hat. Aber einen geschlossenen Kriterienkatalog, wer nun Nachfolger bzw. Christ ist, finden wir nicht.

Was machen wir nun?
Müssen wir es denn so genau wissen? Und wozu?
Ich bezweifle mehr denn je, dass wir ein Schwarz/Weiß-Denken brauchen: Gute und Böse, Gläubige und Ungläubige, Gottferne und Gottnahe….

Ich denke, jeder ist in unterschiedlichen Phasen auch mal Gott fern. Und die Beziehung zu Gott hat auch unterschiedliche Phasen. Wichtig ist doch zu wissen, dass wir alle unterwegs sind. Nie hat man „fertig geglaubt“. Ein Christ ist nie fertig.

> Blog des Autos

Foto: geralt/pixelo.de

3 Gedanken zu “Wer ist eigentlich Christ?

  1. Wieso ist „Nachfolger“ nicht biblisch? Ich denke, er bezieht sich (unter anderem) auf diese Bibelverse:

    Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen
    (1 Petr 2,21)

    Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
    (Matthäus 16,24)

    Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir
    (Joh 10,27)

    Also „Nachfolger Jesu“ zu sein heißt für mich, dass ich den selben Weg einschlage wie er, dass ich ihn mir zum Vorbild nehme und so leben möchte wie er gelebt hat (Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Liebe zum Vater, Liebe zu den Menschen … usw.) und dass ich das tun will, was er mir sagt.

    Christ, Jünger, Nachfolger, Heiliger sind letztlich unterschiedliche Begriffe für genau das Selbe, würde ich sagen. Wer da aber dazu gehört, weiß nur Gott.

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  2. Der Begriff „Nachfolger“ als Substantiv ist nicht biblisch. Es wird „(nach)folgen“ als Verb gebraucht.
    Das mag nun nach Haarspalterei klingen. Aber dennoch halte ich es für richtig zu differenzieren. Denn „Christen“ kann ja ebenso undifferenziert auf Christus bzw. auf das Christentum zurückgeführt werden.

    Nimm es mir nicht übel, aber im Grunde nimmst hier ja wieder nur eine Definition vor:

    Also “Nachfolger Jesu” zu sein heißt für mich, dass ich den selben Weg einschlage wie er, dass ich ihn mir zum Vorbild nehme und so leben möchte wie er gelebt hat (Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Liebe zum Vater, Liebe zu den Menschen … usw.) und dass ich das tun will, was er mir sagt.
    Christ, Jünger, Nachfolger, Heiliger sind letztlich unterschiedliche Begriffe für genau das Selbe, würde ich sagen.

    Das ist eine Definition, die sich leider nicht 1:1 aus der Bibel ableiten lässt.
    Meine Anliegen war nun, dass ich lernen möchte, ohne enge Definitionen alle „Christen“ ernst zu nehmen, und niemanden zu stigmatisieren. Und ich hoffe, auch von anderen so respektvoll behandelt zu werden, und nicht wie einer, der „noch nicht so weit“ ist.

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  3. Ne, schon klar. Das ist meine persönliche Definition, wie ich das für mich persönlich sehe. Ich möchte anderen Ansichten auch mit Respekt zu begegnen.

    Aber es reicht nicht aus, irgendeiner Kirche anzugehören, sondern der Glaube ist das Entscheidende. Ich denke, soviel können wir schon aus der Bibel ableiten.
    Wenn sich jemand zum christlichen Glauben bekennt, dann reicht das für mich aus, um ihn als Christ anzuerkennen.

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