Von Daniel Tibi. Die spirituelle Sehnsucht der Menschen unserer Zeit ist groß, das erkannte der schwedische protestantische Bischof Martin Lönnebo (* 1930) und suchte nach einer Möglichkeit, den Menschen eine Hilfe zum Gebet an die Hand zu geben. Die Idee kam ihm nach seiner Pensionierung, im Jahr 1996, während einer Reise nach Griechenland. Bei einer Fahrt auf einem Fischerboot wurde er von einem Sturm überrascht und saß für einige Tage auf einer kleiner Insel fest. Er sah die Dorfbewohner mit ihren Rosenkränzen, Ikonen und Kerzen. Dabei wurde ihm klar, dass es in der protestantischen Kirche keine solchen Hilfsmittel gibt, um den Geist beim Gebet auf Gott auszurichten. Muße hatte er in den Tagen seines unfreiwilligen Aufenthalts auf der Insel genug. So begann in ihm die Idee zu einem Perlenband zu reifen.

Wieder heil in Schweden angekommen, bastelte er sich die ersten »Perlen des Glaubens« aus Holz. Frälsarkransen nannte er sein Perlenband, das heißt Retter-Kranz oder Erlöser-Kranz. Der Name erinnert auch an einen Rettungsring. So verstand Lönnebo auch seine Gebetskette: als einen geistigen Rettungsring.

Schnell haben sich die »Perlen des Glaubens« in Schweden und ganz Skandinavien etabliert. Die protestantische Patorin Kirstin Faupel-Drevs von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche wurde bei einem Urlaub in Finnland auf die »Perlen des Glaubens« aufmerksam. Sie brachte das Perlenband mit nach Deutschland, wo es erstmals auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin einer breiten Öffentlichkeit vorgestelltwurde. Zwischenzeitlich ist das Band nicht nur Deutschland populär, sondern auch in vielen anderen Ländern. Bei uns wird es sowohl unter dem Namen »Perlen des Glaubens« als auch unter dem Namen »Perlen des Lebens« vertrieben.

Das Perlenband besteht aus 18 Perlen, 12 runden und 6 länglichen, die 10 verschiedene Bedeutungen haben. Beginn und Ende des Perlenbandes ist die goldene Gottesperle [1].

Auf die Gottesperle folgt die erste Perle der Stille [2]. Insgesamt sechs dieser länglichen, sandfarbenen Perlen der Stille unterbrechen die Abfolge der anderen Perlen. Sie erinnern uns an Zeiten mit Gott allein, ohne Leistungsdruck und Anforderungen von Außen und symbolisieren gleichsam Inseln in Stress und Hektik des Alltags. Solche Unterbrechungen im Tagesablauf und Druchbrechungen des Alltags braucht jeder von uns.

Es folgt die kleine perlmuttfarbene Ich-Perle [3], die daran erinnert, dass jeder von uns von Gott zu einer eigenen einzigartigen Sendung berufen ist. „Ehe ich dich im Mutterleibe bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoße hervorkamst, habe ich dich geheiligt.“ (Jer 1,5), spricht Gott zum Propheten Jeremia. Sakramental wird diese besondere Berufung und Annahme jedes einzelnen durch Gott in der Taufe ausgedrückt. Daher folgt auf die Ich-Perle die weiße Taufperle [4].

Nun folgt die Wüstenperle [5]. Wüste symbolisiert Mangel, Leere, Einsamkeit, Stille und Hoffnungslosigkeit. So steht die Wüstenperle für Wüstenzeiten, die jeder von uns durchlebt. Die Wüste ist auch Ort der Reinigung, Ort der Ausrichtung auf das wirklich Wichtige und Ort der Gottesbegegnung. Was brauche ich wirklich? Was ist wirklich wichtig? Diese Fragen kommen in der Wüstenzeit auf. Der Blick wird auf des Wesentliche und wirklich Notwendige gelenkt.

So folgt auf die Wüstenperle die blaue Perle der Gelasssenheit [6]. In „Gelassenheit“ steckt das Wort „lassen“. Wer Unwichtiges hinter sich gelassen hat, der ist frei und offen für Neues, dessen Geist ist weit wie der blaue Himmel. Was heißt Liebe für mich? An was oder an wem hängt mein Herz?

Diese Fragen werfen die zwei roten Perlen der Liebe [7] auf. Dass es zwei Perlen sind, erinnert sowohl an das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, das Jesus hinterlassen hat (vgl. Mk 12,29-31 par), als auch an die zwei Dimensionen der Liebe: Liebe empfangen und Liebe schenken.

Auf die Perlen der Liebe folgen drei Geheimnisperlen [8]. Sie gleiche der Ich-Perle und stehen für die eigenen tiefsten Geheimnisse, die eigenen Schwächen und Fehler, die eigenen dunklen Seiten, die jeder Gott hinhalten kann, damit er sie verklärt.

Die folgende Perle der Nacht [9] war beim ersten Entwurf des Perlenbandes noch nicht dabei. Lönnebo hatte Angst, es könnte für den Beter zu schwierig sein, diese Perle anzunehmen. Er hat sie dann aber doch in sein Perlenband aufgenommen, da auch die Nacht, die dunklen Seiten und auch der Tod zum Leben gehören. Letztlich ist die Nacht nicht das Ende.

Auf die Nacht folgt der neue Morgen und auf die Perle der Nacht folgt die Perle der Auferstehung [10] bevor das Band wieder in die goldene Gottesperle mündet.

Bild: Daniel Tibi

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