Von guten Geistern verlassen: Atomkraft als Klimaretter

Beim G8-Gipfel im japanischen Toyako drängen die anderen sieben Mitglieder – insbesondere die USA – Deutschland dazu, die Atomkraft als Klimaretter zu betrachten. Der derzeitige US-Präsident Georg W. Bush, der sich ja schon immer als herrausragender Verfechter eines globalen Klimaschutzes hervorgetan hat (Vorsicht: Ironie!), erklärt das Festhalten und den Ausbau der Atomenergie gar zu einem „Lackmustest für die Ernsthaftigkeit“ der Staaten, an dem erkennbar werde, wer gegen die Klimaerwärmung ankämpfe. Die Atomkraft sei lt. Bush „eine erneuerbare Energie ohne jegliche Treibhausgase“. – Ich wüßte gerne, was an der Atomkraft „erneuerbar“ sein soll.

Der Bush-Berater Jim Connaughton sprach dabei von 272 neuen Atom-Reaktoren, die gebaut werden müssten, um das Klimaschutzziel einer 50%-Reduzierung der Treibhausgase bis 2050 zu erreichen – wohin man mit dem über Millionen Jahre strahlenden Atommüll hin soll, verriet er dabei allerdings nicht.

Und auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl scheint wohl schon wieder zu weit weg zu sein. Auf flickr.de habe ich das Foto für diesen Beitrag gefunden. Es zeigt eines der Tscherobly-Kinder, welches jetzt in einem Waisenhaus in Vesnova lebt. Vielleicht sollten die entsprechenden Befürworterinnen und Befürworter der Atomkraft sich mal von Leuten, die in Tschernobyl waren berichten und vor allem wahrscheinlich auch mit Bilder von Augen führen lassen, welche Folgen eine solche Katastrophe haben kann. So schreibt beispielsweise grenzgaenger auf seinem Blog: „ich war in gomel, die “bezirkshauptstadt”, nicht sehr weit von tschernobyl entfernt. in einem unglaublich aermlichen krankenhaus sahen wir die folgen der katastrophe. schreckliche bilder. ich will das nicht naeher beschreiben.“

Außerdem kann man davon ausgehen, dass die bisherige Atom-Energie-Politik eher dazu beigetragen hat, den notwendigen Umbau unserer Energieversorgung zu verzögern. Wir hätten schon viel früher in den massiven Ausbau (echter) erneuerbarer Energien einsteigen können und sollen. Und auch die Effizienz-Revolution steht noch aus.

Weitere Hintergrundinfos zum gesamten Komplex Atomenergie, Erneuerbare Energien und Klimawandel in einigen anderen Beiträgen von mir:

Foto: lhgszch – Quelle: http://www.flickr.de

10 Comments

  1. Wer die Tschernobyl-Katastrophe selbst miterlebt hat, der hat eine sehr emotionale Einstellung zu dem Thema, habe ich schon gemerkt.

    Ich weiß von damals nur noch, dass meine Eltern gesagt haben, dass man das Gemüse im Garten nicht essen soll, was für mich völlig unlogisch war, denn wozu macht man sich sonst die ganze Mühe mit der Gartenarbeit?

    Für mich war und ist das Hauptargument gegen Kernenergie immer noch die unklare Endlagerung des ganzen Mülls. Wir wissen heute noch nichtmal, vor was für Probleme wir künftige Generationen stellen, deshalb sollten wir es lieber bleiben lassen.

    Die Konsequenz ist aber klar: Strom wird teurer.

  2. Danke für die klare Aussage. Ich kann den wieder aufkommenden Atomhype wirklich nicht nachvollziehen. Das schreit noch Lobbyismus…

    Wir werden uns darauf einstellen können, dass das Thema Atomkraft Wahlkampfthema sein wird – mit unklarem Ausgang. Hoffen wir darauf, dass unsere Nation Vorbild sein kann in Europa mit ihrem alleinigen Atomausstieg und das die Menschen bereit sind für „guten“ Strom auch einen höheren Preis zu zahlen.
    Ich beziehe jetzt schon Strom aus Wasserkraft (unsubventioniert vom Staat übrigens) und zahle weniger als Kunden von Vattenfall und Eon für ihren Atomstrom…

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