Christ und psychische Krankheit

Behandlungsbedürftige Depressionen sind eine Volkskrankheit in Deutschland von der auch viele Christen nicht verschont bleiben. Viele psychisch kranke oder gestörte Menschen kommen regelmässig in unsere Gottesdienste oder sind Gemeindemitglieder in unseren Kirchen und Freikirchen. Die gute Nachricht von unserem Retter und Herrn Jesus Christus gibt vielen von ihnen eine Hoffnung auf Heilung und Befreiung und viele Pastoren und Leiter machen ihnen auch Hoffnung auf Hilfe durch Seelsorge und Gebet. Aber was passiert, wenn der Glaube, das Gebet und die Seelsorge nicht helfen? Wie gehen wir mit unseren psychisch erkrankten Gemeindemitgliedern um?

In den Großkirchen hat man sicher weniger Probleme damit, Christen zum Psychiater zu schicken, aber wie sieht es in unseren kleineren gemütlichen Freikirchen aus, wo man sich meist weitaus besser kennt und oft sehr engen persönlichen Kontakt miteinander hat? Oft sind Gemeinden ja wie Großfamilien, in denen jeder über den Anderen bescheid weiß und kaum ein Geheimnis verborgen bleibt, weil natürlich sehr viel getratscht wird. Manche Pastoren und Seelsorger sind Laien, die sich ihr Wissen durch christliche Bücher und in der Gemeindepraxis oder durch die Lektüre der Bibel erworben haben.

In den Freikirchen wird meist auch die geistliche Dimension einer psychischen Krankheit wahrgenommen. Die unsichtbare Wirklichkeit und die Existenz von Dämonen und bösen geistigen Mächten ist hier selten ein Tabuthema. Exorzismus oder Befreiuungsgebete werden mehr oder weniger spektakulär praktiziert und manch einer empfängt wohl auch Hilfe dadurch. Einiges geht aber auch voll daneben. In katholischen Kreisen gab es Todesfälle nach einem mißglückten Exorzismus, die in den Medien hohe Wellen schlugen. Und in den Freikirchen klappt auch nicht immer alles. Bestenfalls sind die Hilfesuchenden von den geistlichen Leitern oder Gemeinden enttäuscht, wenn Heilungs- und Befreiungsgebete erfolglos bleiben. Aber es kann auch viel schlimmer kommen. Tiefe Verletzungen können hinzukommen, die Probleme können sich verschlimmern, ja man kann jeglichen Glauben an Gott und seine Hilfe verlieren. Viele Kranke werden einfach alleingelassen, wenn Gott nicht spürbar hilft und eingreift. Die sind dann eben selbst schuld, weil sie die Ratschläge der Seelsorger und Gemeindegeschwister nicht umsetzen! Womöglich haben sie einen rebellischen Geist und wollen ihre Sünden einfach nicht loslassen. Ketzerhüte werden schnell verteilt, die Kranken oder „Dämonisierten“ werden gemieden und vielleicht sogar exkommuniziert.

Was sind überhaupt die Kriterien, nach denen man eine dämonische Belastung als Ursache psychischer Probleme diagnostiziert? Wie viele Christen haben denn die Gabe der Geisterunterscheidung in solch ausgeprägtem Maße, daß sie dämonisches Wirken eindeutig erkennen können? Welcher Seelsorger kennt sich wirklich gut mit psychischen Krankheiten aus? Wer ist kompetent genug, eine richtige Diagnose zu stellen? Ich habe den Eindruck, daß es viele Laien im Seelsorgedienst gibt , die nach dem Maßstab Pi mal Daumen plus einige Bibelzitate vorgehen und mehr herumpfuschen, als kompetente Hilfe zu geben. Sie meinen es gut, aber verschlimmbessern die Lage nur.

Wenn ernsthafte Störungen wie Depressionen, Angstzustände, Psychosen oder Suizidalität nach wiederholtem Gebet und Seelsorgegesprächen nicht entscheidend besser werden, sollte man lieber jemand fragen, der sich damit auskennt! Es ist dringend geboten einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Alles Andere ist unterlassene Hilfeleistung. Wir begrenzen Gott, wenn wir ihn ausschließlich auf übernatürliches Eingreifen festnageln wollen. Warum sollte er nicht auch durch Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten wirken können? Warum diese Angst vor „weltlicher“ Hilfe? Eine Befürchtung, die ich oft gehört habe und die ich auch selbst hatte war: Die weltlichen Fachleute und Therapeuten könnten Christen in okkulte Praktiken hineinmanipulieren und vom Glauben abbringen. Die Esoterik hat sicherlich einigen Boden in der „Psycho-Szene“ gewonnen, aber ein guter Therapeut würde niemals jemanden in diese Richtung beeinflussen, der damit nichts zu tun haben möchte. Das würde nur ein Scharlatan tun aber kein seriöser Therapeut oder Arzt. Ich gehe fest davon aus, daß Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Tim.2,4) Das griechische Wort sozo, daß hier mit „gerettet“ übersetzt wird bedeutet viel mehr, als nur die Tatsache, daß wir in den Himmel kommen sollen. Es bedeutet „heil machen“, befreien, gesund machen und vor jedem Schaden oder Unglück zu bewahren. Es ist Gottes erklärter Wille uns gesund zu machen und völlig wiederherzustellen. Gott ist für uns und nicht gegen uns! Warum können wir ihm nicht für den geeigneten Arzt, den richtigen Psychotherapeuten oder das geeignete Krankenhaus vertrauen? Wenn Gott nicht übernatürlich und sofort heilt, bedeutet das noch lange nicht, daß er uns nicht heilen will. Wollen wir Gott etwa vorschreiben, wie und auf welche Weise er uns zu heilen hat? Das sei ferne. Ich bin sehr dafür, etwaige Tabus und Vorurteile vor der Kunst der Psychiartrie und Psychotherapie schleunigst niederzureißen. Ich plädiere dafür, das herumdoktern von Laien bei komplizierten seelischen Störungen radikal zu beenden! Es ist gut und richtig, zuerst zu Gott, unserem himmlischen Arzt zu gehen und um Hilfe zu bitten. Aber wenn das Gebet, der Glaube, das Bibellesen und Wort Gottes bekennen oder die Seelsorge keine spürbaren Resultate und Besserung bringt – bitte niemals scheuen den Fachmann aufzusuchen. Auch hier kann man auf Führung durch den Geist Gottes hoffen und glauben. Sein Wille ist unsere Heilung, warum sollte er Ärzte und Therapeuten nicht gebrauchen können? Wenn Du einen gläubigen Christen als Therapeuten findest – wunderbar. Aber es gibt noch viel zu wenige davon. Also bitte keine Scheu jemand Anders um Hilfe zu bitten.

Hilfreiche Seiten zum Thema – hier werden Sie geholfen (hinzugefügt von theolounge):

> Alfred Adler Institut München
> Kalia (> Dr. Killus)
> einige Links zu Seelsorge

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Bild: Holger Meyer (pixelio.de)

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. andy55 sagt:

    das ist mal ein richtig guter beitrag zu einem thema, welches in unseren gemeinden immer wichtiger wird.
    für mich stellt sich seelsorgerliche hilfe in drei bereichen dar.
    1. ermutigung, ermahnung, tröstung, begleitung, auferbauung, besuche, kontakte, nachfragen etc. – welches jeder christ tun kann, ja, laut bibel sogar soll.
    2. gezieltes arbeiten mit dem ratsuchenden, um ihn auf tiefere zusammenhänge in der presönlichkeit, komplexe reaktionen, mittel- und langfristige hilfen hinzuführen – das sollten leute mit besonderen gaben von gott und einer soliden seelsorgerlichen ausbildung tun
    3. die im artikel beschriebenen psychischen störungen und defekte sind nicht so einfach durch ein paar gespräche und gebete zu beheben, dazu sollten proffessionelle helfer angesprochen werden und das müssen nicht immer christen sein..
    das problem des helfen-wollens ist in christlichen gruppen weit verbreitet, aber nur gut gemeinte anteilnahme kann manchmal mehr schaden als helfen.
    noch mal: ich finde diesen artikel ausgesprochen gut und hilfreich.
    vielen dank dafür.
    andreas

  2. donralfo sagt:

    @Andi: Danke für Dein Lob ;-))
    Wenn Dein Punkt 1. in der Gemeinde praktiziert wird, hat der Kranke schon mal sehr viel bessere Karten als ohne Hilfe.
    Schon beim 2. Punkt wird es aber wohl schon mancherorts eng werden. Das können wahrscheinlich nur wenige und große Gemeinden leisten.

  3. theolounge sagt:

    Eine gute Freundin erzählte mir von einem Todesfall ihrer 22 Jährigen Bekannten (nicht in Deutschland):

    Sie hatte wochenlang starke Kopfschmerzen. Man holte einen Heiler. Er sollte heilen. Und man betete.
    Die Familie verhinderte, dass sie zum Arzt ging – sie hoffte auf diese Heilung.

    Die Freundin starb kurz darauf an Schlaganfall. Im Alter von 22 Jahren. Als Mutter eines 3 Monate alten Kindes.

    Hier hätte medizinische – rechtzeitige – Hilfe mit hoher Wahrscheinlichkeit Heilung verschafft.

    Sehr tragisch.

  4. andy55 sagt:

    @donralfo: auch kleinere gemeinden haben die möglichkeit, ausgebildete seelsorger einzusetzen: unser pastor hat z.b. kürzlich eine seelsorgeeinheit dreiländereck ins leben gerufen, so dass ansprechpersonen in einer gemeinde ratsuchende weitervermitteln können (nicht immer mag man auch bei grösseren problemen zu seelsorgern der eigenen kirche gehen…). zu dieser einheit gehören mehrere gemeinden, und die interessierten treffen sich mehrmals im jahr zum abgleich und austausch. dies wäre eine möglichkeit…

  5. Peter Semenczuk sagt:

    Wo Gott die Mitte des agierenden Seelsorger ist, da ist
    vieles möglich, doch leider sieht die jetzige praktizierte Seelesorge so aus, wie folgt:
    1.“Weil die Seelsorge versagt hat, muß die Leibsorge von einem weltlichen Arzt vorgenommen werden ,der mit Gott und Christus nichts anfangen kann und will.

    2. Weil die Seelsorge versagt hat, muß die Ganzheit-Sorge des Menschen, von den Staatsanwälten, Richtern und Beamte vorgenommen werden ,die diese armen Menschen, hinter hohen Mauern mit Stacheldraht verwahren müssen.

    Was nützt dem Menschen, seine gesetzliche, verbriefte Würde, wenn er sich aufrgund seines Willen und Geistes, nicht nach der geistigen Würde und Identität entfalten kann in solch einer herzlosen und gottlosen Gesellschaft?
    Die Heime und Suchtanstalten in unserem Land und Europa, sind das Produkt einer untergehenden Gesellschaft und Kultur.
    Eine Gesellschaft ist so gut, wie gut ihre Religion ist!

  6. harey sagt:

    Ich finde es grossartig dass Menschen sich Gedanken darueber machen wie man psychisch Kranken helfen kann. Oft bestehen diese Krankheiten viel zu lange bis ein Arzt aufgesucht wird und die Suizidrate ist wohl auch dadurch sehr hoch.

    Allerdings bin ich persönlich der Meinung dass „Dämonenaustreibungen“, „Exorzismen“ oder wie man auch immer solche mittelalterlichen Praktiken nennen möcht höchst kontraproduktiv sind.

    Psychotiker halluzinieren, sind im Wahn, fuehlen sich verfolgt. Wer einen Psychotiker in seinen Wahnvorstellungen bestätigt indem er anfängt auf grosse Dämonenjagd zu gehen handelt meiner Meinung nach sehr grausam. Es wuerde mich nicht wundern wenn eine „einfache“ Psychose durch solche Praktiken zur Schizophrenie werden wuerde.

  7. Don Ralfo sagt:

    @harey: Obwohl ich an die Wirklichkeit von Dämonen glaube und sie am eigenen Leibe erlebt habe, bin ich völlig Deiner Meinung in Bezug auf Psychotiker. Wenn Gott nicht sehr spezifisch, genau und glaubwürdig redet und dämonische Zusammenhänge offenbart, würde ich jedem raten, die Finger vom „Befreiungsgebet“ zu lassen und sofort eine psychiartrische Notaufnahme aufsuchen, wenn jemand im akuten Schub ist. Allerdings schließe ich die Austreibung von Dämonen nicht grundsätzlich aus – ich habe selbst ein solches Erlebnis am Anfang meines christseins gehabt, obwohl ich mich damals nicht als psychisch krank bezeichnet hätte. Es ist auch die Frage, in welchem Rahmen ein derartiges Befreiungsgebet stattfindet. Wenn in einer christlichen Versammlung der Heilige Geist spürbar und liebevoll am Wirken ist, kann eine Heilung und Befreiuung manchmal sehr problemlos und friedlich vonstatten gehen. Aber diese Dinge sind ME eher die Ausnahme, als die Regel.

  8. Don Ralfo sagt:

    @Peter: Ich sehe das nicht so düster wie Du. In meiner Tätigkeit als Krankenpfleger in der ambulanten Pflege habe ich sehr viele Menschen mit Herz erlebt. In vielen Mietshäusern ist es keineswegs so anonym, wie uns die Medien oft vermitteln. Die bringen ja nur die schlechten Nachrichten, weil die Guten sich nicht verkaufen! Ich habe viele Eheleute ihren bettlägerigen Partner aufopferungsvoll pflegen sehen und habe viele Fälle von Nachbarschaftshilfe erlebt, die weit über das Alltägliche herausging. Manche pflegen ihre Lieben bis zum Tode, obwohl das oft unvorstellbar schwer ist. Was die Heimunterbringung betrifft, bin ich auch anderer Meinung. Natürlich gibt es auch Missstände, aber in der Regel sind die Pflekräfte und Ärzte außerordentlich engagiert und sehr gut ausgebildet. Früher hat man die psychisch Kranken in Massenschlafsälen und unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht, aber deren Situation hat sich im laufe der letzten 50 Jahre stark verbessert. Man darf nicht vergessen, daß die Psychiartrie und Psychologie eine sehr junge Wissenschaft ist. Auch die Medikamente und Behandlungsmethoden sind immer besser geworden. Früher gab es oft die „chemische Keule“ und Elektroschocks für die Patienten. Heute hat die Medizin sehr viele hochspezifische und wirksame Medikamente entwickelt. Auch die Psychotherapie lernt immer mehr dazu.
    Es werden in der Regel nur noch die schlimmsten Fälle dauerhaft eingesperrt, wenn sie eine ernsthafte Bedrohung für sich und Andere darstellen.
    Aber Du hast sicher recht mit der Feststellung, daß wir als Christen oft versagen und mit mehr Liebe, Hoffnung und Glauben vielen Kranken auch ohne Heimunterbringung und Krankenhaus helfen könnten.

  9. Als Psychologiestudent, kann ich dem Autoren nur beipflichten, psychische Krankheiten gehören in die Hände von professionellen Therapeuten. Bei Krankheiten wie beispielsweise Schizophrenie, kann selbst der beste Seelsorger garnichts mehr anrichten, da diese Krankheit eine starke genetische Komponente hat. Was den Punkt angeht, dass eine Inanspruchnahme von therapeutischen Dienstleistungen, stigmatisierung seitens des Umfeldes bedeutet weiss ich nur folgendes zu sagen: ersten muss niemand etwas von der Therapie wissen (sofern keine Familientherapie) und wenn man sich doch dafür entscheiden sollte es nicht zu verheimlichen, hat man den ersten Schritt schon einmal getan. Die Anerkennung der eigenen Krankheit stellt überhaupt erst die Arbeitsgrundlage dar, zusammen mit dem Wunsch und dem Willen etwas für die Genesung zu tun.

    Ich werde später einen anderen Bereich der Psychologie einschlagen, der nichts mit klinischen Aspekten der Psychologie zu tun haben wird. Allerdings kann ich nur empfehlen solche Krankheiten erstens ernst zu nehmen und zweitens adäquat zu behandeln, alles andere könnte das Krankheitsbild verschlimmern. Ich persönlich bin konfessionslos und nicht gläubig, von daher danke ich Ihnen dafür sich für professionelle psychologische Hilfe auszusprechen.

    Ich denke, aus der Sicht eines Christen, sollte ein Leben für Gott ein glücliches sein und dies ist meiner ansicht nach nicht durch blindes Gottvertrauen möglich. Schließlich füllen wir die Welt die er ( unter Umständen) erschaffen hat.

  10. Rika sagt:

    Danke für diesen klaren Beitrag!

    Persönlich halte ich es schon seit Jahren mit der einfachen und simplen Feststellung:
    Jesus ist der Arzt und Heiler schlechthin. Daran glaube ich und darauf vertraue ich.
    Wenn ich Zahnschmerzen habe gehe ich – trotzdem – zum Zahnarzt und wenn mich andere körperliche Beschwerden plagen, gehe ich zum Hausarzt / Internisten / Gynäkologen / HNO-Arzt oder zu wem auch immer. Und natürlich unterziehe ich mich auch einer nötigen Operation in dem dafür vorgesehenen Krankenhaus (kann ich schon Lieder drüber singen!)
    Ich vertraue darauf, dass Jesus mich durch die Kunst der Ärzte heilt – soweit das seiner Absicht mit mir und meinem Leben entspricht.

    Und ganz selbstverständlich gilt das auch für meine psychische Befindlichkeit – ich nehme therapeutische Hilfe in Anspruch, wenn es nötig ist (gute Erfahrung damit!)

    Und erst Recht würde ich zu einem Fachmann gehen, wenn ich mit ernsthaften psychischen Erkrankungen konfrontiert wäre.

    Mir sind Leute rätselhaft, die mit jedem Zipperlein zum Arzt laufen, aber ihrer Seele „nur mit Bordmitteln“ helfen wollen.

    Jesus heilt Geist, Seele und Leib – davon bin ich überzeugt – aber ich lasse IHN gerne durch Spezialisten an mir wirken und zwar so oder / und so!
    Das Heilungsgebet kann das sicher unterstüzen!

  11. Sigi sagt:

    Vor genau 9 Jahren bin ich körperlich und psychisch zusammengebrochen. Aus voller Produktivität und vermeintlicher Gesundheit! Von einem Tag auf den Anderen war die Kraft einfach weg. Damals war ich 31 und 8 Jahre Christ. Es folgte eine Odysée von Arztbesuchen (Internist, Neurologe, Psychologe, Psychiater, etc.). Und ich habe gebetet. Mein Inneres nach Aussen gekehrt in der Seelsorge und bei christlichen Psychologen. Dämonen gesucht und bekämpft. Nahrungsergänzungen und Medikamente geschluckt. Gescheite Bücher gelesen. Gescheite Menschen (Pastoren, Aerzte, Menschen, etc.) befragt. Gott angeklagt und wieder unter Tränen bereut…9 lange Jahre.
    Wisst ihr was mich sehr traurig stimmt? Nicht die Aerzte welche sicher helfen wollten es aber nicht besser wussten. Nein, es sind wir Christen, welche unser Christsein als „Hobby“ praktizieren und seine Kraft verleugnen. Unsere kläglichen Erfahrungen über Gottes Wort stellen und versuchen mit allen Mitteln gut vor den Menschen dazustehen und uns damit zufrieden geben. Wir Christen hier in unseren Breitengraden sind leider schon lange nicht mehr relevant für die Gesellschaft. Es wird Zeit, dass wir Christen wieder unsere Kernkompetenzen praktizieren und anwenden.

    Ich träume von der Apostelgeschichte! Von der Kraft und Salbung Gottes seinen Kindern zu begegnen und Gutes zu tun. Ich träume davon, dass wir neu erfüllt werden mit dem Heiligen Geist und endlich unseren Auftrag wahrnehmen. Ich brenne wie nie zuvor dafür, Jesus und die Menschen lieben zu können… Komm Heiliger Geist!

    Gesund? Nein, bin ich (noch) nicht. Aber ich kann unterdessen mit 100%iger Gewissheit sagen: Jesus ist mir wichtiger als alle Gesundheit dieser Welt! Dies konnte ich vor 1 Jahr noch nicht sagen…

    Herzlichst, Sigi

  12. donralfo sagt:

    @Sigi: Hey Sigi, schön von Dir zu hören ;-)) Kann ich gut nachempfinden, da ich eine ähnlich lange Lebenskrise hatte.
    Im Moment bin ich auch sehr begeistert vom Wirken des Heiligen Geistes und träume genau wie Du von der Apostelgeschichte! Ich glaube, daß Gott es sehr gut mit uns meint und jedem Menschen, der Hunger nach mehr von seiner Gegenwart hat, stark begegnen will. Ich erlebe seit Wochen eine nie gekannte Nähe Gottes und bin gespannt auf das, was noch vor uns liegt in Deutschland. Ich denke, daß es gute Ansätze in der christlichen Gemeinde gibt, tatsächlich relevant für die Gesellschaft zu werden. Ich glaube an das übernatürliche Handeln Gottes. Ich finde es nur falsch, Gott auf den übernatürlichen Bereich zu begrenzen! Das ursprüngliche biblische Denken ist ganzheitlich. Es gibt diese Trennung von natürlich und übernatürlich gar nicht. Körper, Seele und Geist werden immer als eine Einheit gesehen. Nicht nur der Geist ist wichtig, sondern Seele und Körper mit allen ihren natürlichen Bedürfnissen sind ebenso wichtig. Von daher finde ich eine einseitige Ausrichtung auf das „Übernatürliche“ verkehrt und sogar gefährlich.

  13. Sigi sagt:

    Ja genau, so sehe ich es auch! Das „Natürliche“ muss Hand in Hand mit dem „Übernatürlichen“ gehen. Eben wie Du sagst: Ganzheitlich.
    Ich stelle nur fest, dass wir in der westlichen Welt (vielleicht ja auch nur hier in der Schweiz 😉 ) in vielen Gemeinden das übernatürliche Wirken Gottes aus unserem Alltag verbannt haben. Unsere Weltanschauung und Erziehung hat sicher viel dazu beigetragen…

    Trotzdem: In meiner Umgebung (und ich rede von der „reichen“ Schweiz) ist unsagbar viel Leid, Zerstörung, Krankheit und Übel. Da macht es keinen Unterschied zwischen Christ und Nichtchrist, reich oder arm!
    Da sind Dinge, die kann man einfach nicht mehr mit Aerzten, Psychologen, etc. behandeln, geschweige denn, heilen. Hier braucht es ein Wunder! Ich selbst und unsere Gemeinden kommen mit guten Ratschlägen und der sicher vielfach ehrlichen Anteilnahme nicht mehr weiter. Wenn ich dann höre und sehe wie diese Menschen sich dann von uns Christen abwenden und ihr Glück in der Esoterik und dem Okkulten suchen, dann blutet mein Herz! Es ist halt so: Wir erreichen die Menschen nicht mehr nur auf der „natürlichen“ Ebene. Es braucht das, wovon Paulus im 1. Kor. 2,4-5 redet: „…und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“

    Auch Paulus redet hier von einer „Balance“. Wenn ich es recht erkenne, mit „advantage Holy Spirit“.

    Nur meine Meinung…Herzlichst Sigi

  14. donralfo sagt:

    @Christian Hautmann:
    “Die Anerkennung der eigenen Krankheit stellt überhaupt erst die Arbeitsgrundlage dar, zusammen mit dem Wunsch und dem Willen etwas für die Genesung zu tun.”
    Ich fand diesen Kommentar zu meinem Artikel über “Christ und psychische Krankheit” außerordentlich wichtig!
    Das war der entscheidende Wendepunkt in meiner lebenslangen depressiven Karriere! Ich wollte nie anerkennen, daß ich psychisch krank war und Hilfe von außen brauchte. Immer habe ich gesagt: Gott kümmert sich schon um meine Seele, wenn ich ihm treu und fleissig diene. Er hat mich ja längst am Kreuz geheilt u.s.w. Ich habe auch jahrelang fleissig das Wort Gottes proklamiert, so lange bis absolut NICHTS mehr ging! Aber ich hatte nie anerkannt, daß ich eine behandlungsbedürftige Krankheit habe und das ich fachmännische Hilfe brauchte.
    Es gab keine “Arbeitsgrundlage” für meine Genesung. Nicht mal für Gott! Natürlich kann Gott Wunder tun und übernatürlich heilen – keine Frage. Aber auch für Wunder gibt es Vorraussetzungen bei uns. Auch hier braucht es eine “Arbeitsgrundlage”. Ich sage nur mal: Glaube, Liebe, Hoffnung, Gebet, Beziehung, Vertrauen, Kommunukation. <b<Zuhören können, sowohl Menschen als auch Gott!
    Danke für Deinen Kommentar! 😉

  15. zweitersein sagt:

    Papst Johannes der 23. wurde ein Gebetswunsch übermittelt. Ein Kardinal liess ihm ausrichten, dass er Erkältung habe und um das päpstliche Gebet bitte. Papst Johannes 23. liess ihm ausrichten, dass er Aspirin empfehle.

    Wozu hat uns der liebe Gott die Naturgesetze gegeben und die WIssenschaftler, die diese Gesetze erforschen, wenn wir sie dann nicht nützen?

    EIn Witz: Es ist Hochwasser. Bischof Krenn ist in die Donau gefallen. EIn Feuerwehrboot kommt vorbei und sagt: Wir können sie herausziehen. Krenn: Gott wird helfen. Nach 10 Minuten kommt das Feuerwehrboot wieder vorbei. Krenn: „Nein, Gott wird helfen“. Um es kurz zu machen: Krenn ertrinkt und kommt zum lieben Gott: „Warum hast Du mir nicht geholfen?“ Gott:“Was heisst nicht geholfen. Zweimal habe ich dir die Feuerwehr vorbeigeschickt!“

    meint
    Christoph

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