Drewermann & Himmelfahrt

 

jesus.jpg „Aufgefahren in den Himmel …“. – Ein Bestandteil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, den wir nahezu jeden Sonntag sprechen. Aber was verbinden wir damit?

Der bekannte Paderborner Theologe und Tiefenpsychologe Eugen Drewermann schreibt am Ende seines Markus-Kommentars, dass mit der Himmelfahrt Christi eine Wahrheit vermittelt wird, „die sich nur in solchen mythischen Bildern wie dem Symbol der ‚Himmelfahrt‘ mitteilen läßt“: Diese Himmelfahrts-Geschichte will uns erzählen, dass wir keine auf immer Gefangenen dieser Erde sind, sondern bereits hier einen Ausblick auf den Himmel haben, wo Gott selbst uns erwartet. Drewermann geht es vor allem darum, die „Himmelfahrt“ jenseits historischer Faktizität in ihrer christlichen und existenziellen Bedeutung zu erklären und danach zu fragen, was die biblischen Bilder von „Himmel“ und „Himmelfahrt“ heutigen Menschen noch sagen können und was sie mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.

Wer Interesse hat, sich mit Drewermann über seine Positionen persönlich auseinanderzusetzen, hat am Montag, dem 31. März 2008, im Gemeindezentrum der alt-katholischen Gemeinde Berlin (Detmolder Str. 4, 10715 B.-Wilmersdorf, Nähe Bundesplatz) dazu Gelegenheit. Dort hält er um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema.

Zur Person: Eugen Drewermann wurde 1940 in Bergkamen geboren. Nach dem Entzug der Lehr- und Predigterlaubnis 1991 durch die römisch-katholische Kirche ist er als Privatdozent, Therapeut und theologischer Schriftsteller tätig. Drewermann gehört zu den produktivsten Theologen der Gegenwart. In seinen Hauptwerken geht es ihm um die Verbindung von Theologie und Bibelwissenschaft mit Erkenntnissen der modernen Psychologie, der vergleichenden Religionswissenschaft und der modernen Naturwissenschaften. Sein Ziel ist stets die Rückbindung der christlichen Botschaft an das Weltbild der Gegenwart und die Befreiung der biblischen Botschaft aus dogmatischer, institutioneller und akademischer Verengung.

Foto: tinakayser – Quelle: http://www.pixelquelle.de

19 Comments

  1. …das mit der Jungfrauengeburt würde ich übrigens auch als literarisches Motiv einstufen. Ein Motiv, das etwas über die Besonderheit Jesu aussagen soll und will.

  2. @ theolounge

    … ich glaube nicht, dass die Frage nach „richtig“ oder „falsch“ uns bei der Auseinandersetzung mit solchen Glaubensaussagen wie der Himmelfahrt, der Jungfrauengeburt etc. sonderlich weiter führen … oder anders, und vielleicht etwas präziser formuliert: ich glaube nicht dass es die richtige Deutung gibt, sondern einen unendlichen Reichtum an Deutungsmöglichkeiten, mit denen Gott uns Menschen etwas von sich, seiner Wirklichkeit und seiner Liebe zu uns Menschen erzählen will … wenn ich eine spezielle Deutung als einzig richtig betrachten würde, begäbe ich mich in einen Fundamentalismus, welcher von der Unbegreiflichkeit Gottes weiter entfernt wäre, als jede Suche nach einer Deutungsmöglichkeit …

    Walter

  3. @ Walter

    Ja, denke ich im Grunde auch. Ich denke, jeder Mensch muss auch für sich selber bestimmen, wie er zu den Dingen steht und was für ihn die richtige Deutung ist.

  4. Wie passt das zusammen, dass man sich für mehr Ökumene einsetzt und gleichzeitig das Apostolische Glaubensbekenntnis erodiert?

  5. @ Philip

    Es ist die Frage, ob hier das Apostolische Glaubensbekenntnis tatsächlich „erodiert“ wird, oder ob wir den Ansatz Drewermanns als Ermutigung begreifen, ganz einfach auf die Bilder hinter den Worten zu sehen.
    Hier liegt m.E. nämlich auch einer der Hauptansatzpunkte Jesu selber in der Auseinandersetzung mit Gesetzeslehrern und Schriftgelehrten seiner Zeit. Er wehrt sich immer wieder gegen eine Frömmigkeit, die den Buchstaben des Gesetzes erfüllt, aber am Sinn des Gesetzes vorbeigeht: Der Gottes- und Nächstenliebe.

  6. Jesus hat nie in Frage gestellt, ob die Geschichten in der Bibel tatsächlich so geschehen sind. Er verweisst z.B. darauf, dass Gott durch den brennenden Busch zu Mose gesprochen hat. Und Paulus sagt, dass jenen das passiert ist uns zum Vorbild, also dass die Geschichten nicht nur passiert sind, sondern auch immer für uns eine tiefere Bedeutung haben, damit wir daraus lernen können. Es geht also um beides: historische Begebenheiten und die Bilder dahinter.

    Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist für mich ein Versuch, Glaubensgrundsätze zu definieren. Bis jemand auf die Idee kam, die Definition zu interpretieren. Wenn Definitionen interpretierbar sind, dann kann man sie auch gleich wegwerfen.
    Das Apostolische Glaubensbekenntnis muss also so verstanden werden, wie es dasteht. Und wer dem Bekenntnis so nicht zustimmen kann, stellt sich ausserhalb dieser ökumenischer Glaubensgrundlage. Die Jungefrauengeburt finde ich jetzt auch nicht unbedingt so einen wichtigen Punkt, aber die Himmelfahrt ist meines Erachtens schon ein Stützpfeiler, den man nicht einfach umhauen sollte.

    Hier geht es auch nicht darum, ob jemand die Liebesgebote hält, oder nicht. Das bleibt von dieser Frage völlig unberührt. Es geht hier darum, ob jemand Glauben hat, oder nicht. Die Überlegungen von Drewermann enstammen meines Erachtens aus Kleinglauben. Heißt es „wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen“, oder heißt es „wenn du alles kritisch hinterfragst und nur das rationell erklärbare glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen“?

    Philip

  7. @ Philip

    Lieber Philip,

    na,na,na – wenn schon Glaubensbekenntnis, denn schon Glaubensbekenntnis: also jetzt nicht einfach dann die Jungfrauengeburt unter den Tisch fallen lassen. 😉

    Ich denke, wir beiden haben ganz einfach zwei unterschiedliche Zugänge zum Glauben.

    Für mich gehen Rationalität und Glaube Hand in Hand. Damit bin ich in der Tradition meiner Alt-Katholischen Kirche auch sehr gut aufgehoben, weil wir zum einen einen sehr rationalen Zugang zum Glauben haben, aber auf der anderen Seite sehr viel Wert auf Mystik und Liturgie legen.

    Deswegen glaube ich beispielsweise nicht daran, dass der erste Schöpfungsbericht wortwörtlich zu nehmen ist und die Erde tatsächlich in 7 Tagen erschaffen wurde, aber ich glaube daran, dass Gott der Schöpfer von Himmel und Erde ist.

    Wenn Du Lust haben solltest, Dich mal intensiver und dennoch unterhaltsam mit dem Glaubenszugang zu beschäftigen, der mich geprägt hat, empfehle ich Dir das Buch „Der Schatten des Galiläers“ von Gerd Theißen. In ihm sammelt ein junger Jude namens Andreas zur Zeit Jeus Material über neue religiöse Bewegungen in Palästina. Dabei stößt er natürlich auch auf Jesus bzw. auf Erzählungen von ihm. Er sammelt immer mehr Informationen über ihn, hört hier etwas und dort, trifft ihn aber nie. Erst als er am Kreuz hängt, sieht Andreas ihn zum ersten Mal.

    Theißen bringt damit die Ansicht der modernen Theologie in erzählende Form, dass wir auch im neuen Testament nur sehr bruchstückhaft tatsächliche historische Begebenheiten und Worte Jesu finden können, und dass auch die Schriften des neuen Testamentes immer bereits vor dem Hintergrund des nachösterlichen Glaubens entstanden sind und dadurch geprägt wurden.

    Ein letztes noch: Christlichen Glauben und das Doppelgebot von Gottes- und Nächstenliebe kann zumindest ich nicht voneinander trennen.

    Herzlich

    Walter

  8. @ Philip

    P.S.: Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist übrigens eine Formulierung aus vermutlich dem 5. Jahrhundert nach Christus, die erst im 9. Jahrhundert in der ganzen abendländischen Kirche Eingang fand. Da steckt schon wahnsinnig viel Theologie und Auseinandersetzung auf vielen Konzilien drin …

  9. Die Jungfrauengeburt lasse ich nicht unter den Tisch fallen. Ich glaube daran. Das war Theolounge, der das ursprünglich in die Diskussion eingebracht hat. Darauf habe ich mich bezogen.

    Meiner Rationalität liegt zugrunde, dass bei Gott alle Dinge möglich sind. Von diesem Punkt aus will ich mein Denken entwickeln.
    Wenn man „Rationalität“ im klassischen Sinne versteht, dann geht das sicher nicht Hand in Hand mit dem Glauben (s. z.B. 1 Kor 1,18ff). Oder wenn man die Geschichte mit dem auferstandenen Lazarus (Joh 11) hernimmt, dann war das sicher sehr rational von Marta, dass sie nicht damit gerechnet hat, dass Lazarus von den Toten aufsteht. Jesus hat ihr aber was ganz anderes gezeigt. Gott ist immer größer, als wir denken (=irrational?). Und es ist ein Fehler, wenn wir nicht mit ihm rechnen.

    Ein letztes noch: Christlichen Glauben und das Doppelgebot von Gottes- und Nächstenliebe kann zumindest ich nicht voneinander trennen.

    Ich wollte das nicht voneinander trennen. Im Gegenteil, ich denke nämlich, dass mir der Glaube es erst ermöglicht, die Liebesgebote besser zu befolgen. Aus dem Glauben folgen die Werke, nicht umgekehrt.
    Aber ich habe schon verstanden, dass das mit den Pharisäern in meine Richtung abgezielt hat, zu den Leuten, welche die Bibel vermeintlich zu wörtlich nehmen.
    Und da muss ich die strittige Frage auf ihren Kern reduzieren. Wenn ich an die Himmelfahrt Jesu glaube, dann heißt das doch nicht, dass ich Gott und meinen Nächsten nicht auch so sehr lieben kann, wie jemand, der nicht an die Himmelfahrt Jesu glaubt. Oder?
    Es verhält sich nämlich eher umgekehrt. Aus dem Glauben schöpfe ich erst die Kraft, um die Gebote besser zu befolgen. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist.

    Danke für den Buchtipp. Vielleicht komme ich mal dazu, das zu lesen. Aber ich fühle mich auch gut aufgehoben in meiner pietistischen Tradition, weil wir viel Wert auf die Liebe und viel Wert auf den Glauben legen. 🙂

    Philip

  10. ad Philipum:
    Ich bin zwar Erz-Lutheraner und kein Pietist 😉 aber teile Deine Ausführungen nahezu vollständig!

    Es ist mir eine nicht geringe Plage, wenn Geschwister (meist von ganzem Herzen, aus voller Überzeugung und ohne böse Absicht!) jeden vom naiven Bibelglauben zu bekehren versuchen, der nicht unwidersprochen sogenannten wissenschaftlichen oder „Vernunft“argumenten folgen wollen.

    Dieser (eigentlich überhebliche) Glaube, dass Gott genau nur so gross wie unser Verstand sei, wir Ihn also unserer Vernunft untertan machen könnten; also alles „unvernünftige“ als dem „heutzutage richtigen“ Glauben widersprechend abgetan werden muss, ist sehr arm.

    Gerade das Denken bringt jeden irgendwann an den Punkt, der einen am modernen Erkenntnisoptimismus zweifeln lässt. Warum also dieses Lob für alles, was Glaubenssätze hinterfragt? Woran liegt es, dass die ständig von Toleranz redenden Vernünftler gerade die mit Hohn und Spott überziehen, die den Begriff der Nächstenliebe überhaupt – und zwar *gegen* die egoistische Vernunft (gegen Dawkins „egoistische Gene“) – als Gottesoffenbarung in die moderne Welt gebracht haben?

    Ich arbeite als Natur-Wissenschaftler und habe gewiss nicht wenig mit dem Denken zu tun. Um so kritischer aber nehme ich polemische Wissenschaftsgläubigkeit als sehr unreflektiert wahr. Und wenn man, wie manche Exegeten, die Geschichtlichkeit Gottes aus der Bibelauslegung herausnimmt um „Wissenschaftlichkeit“ herzustellen, und dann mit Selbstverständlichkeit Analogien mit Kausalität verwechselt, ist mir das gleichfalls ein methodischer Greuel.

    Beschäftigt man sich also einmal mit den Plädoyers für einen Schulterschluss von Naturwissenschaft mit moderner Theologie aus erkenntnistheoretischer Perspektive, läuft es einem leider viel zu häufig kalt den Rücken runter: verkürzt und pauschalisiert werden wissenschaftliche „Wahrheiten“ verkündet, die längst keine sind, es wird jedes Gegenargument unterschlagen, und aus der schier unüberschaubaren Fülle wissenschaftlicher Publikationen werden nur jene mit sicherer Hand ausgewählt, die die eigenen Meinung stützen. Und ein Argument taucht immer wieder auf: Wir müssen doch die Naturwissenschaftliche Erklärung der Welt akzeptieren, damit wir nicht in die dumme Ecke gestellt werden. „Bitte, bitte, nehmt uns doch ernst! Wir sind doch auch ganz klug!“

    Und je nach Tagesform wird schnell mal das eine oder andere Glaubensgut zur Disposition gestellt; natürlich nicht offiziell aufgegeben! Sondern immer mit dem süffisanten Hinweis: Naja, wer will kann ja noch dran glauben! (Obwohl natürlich jeder vernünftige Mensch weiss, dass das eigentlich Unsinn ist – allenfalls als Bild kann man das noch akzeptiern.) Die Kirchenleute damals habens ja noch nicht besser gewusst! Welcher Hochmut! Super!

    Konkret zu Drewermann: Seine Theologie baut in vielen Punkten auf puren Aha-Effekten. Das ist schade. Denn er hat natürlich aus psychologischer Sicht gute Kritik angebracht (obwohl er mit der Erklärung, dass die meisten Mönche und Nonnen Irre seien, natürlich wieder unverschämt war – ich gebe das hier verkürzt wider!). Auch seine ägytischen Analogien berücksichtigen nicht den Fakt, dass Gott sich zu allen Zeiten, in allen Kulturen erkennbar gemacht hat (Röm 1,19ff.). Die ägyptischen Bilder sind also nur der Spiegel, nicht der Ursprung göttlicher Offenbarung, waren als nicht Inspiration der christlichen Bilder, sondern deren unvollkommenere und allenfalls analoge Parallelen. Es sei denn, man nimmt an, dass das Wirken Gottes erst nach dem Alten Ägypten begann, oder dieses davon unberührt ist, oder es sowas wie Offenbarung Gottes gar nicht gibt. Dann frage ich mich aber, wo die Grenze dessen, was als christlich zu bezeichnen ist, eigentlich verläuft.

    ad Walter Jungbauer:
    Rationalität in dem von Dir ausgeführten Sinne und Glauben (Heb 11,1ff.) schließen sich aus rein logischen Überlegungen aus. Allenfalls sind es zwei völig nebeneinander stehende Wissenszugänge. Gewiss: unser Denken geht dem Glauben immer voraus (eben nicht unsere „Vernunft“ und erst recht nicht unser „Wissen“). Aber die Realität Gottes geht unserem Denken ebenfalls immer voraus. Wir tuen also gut daran, nicht unser Denken zum Massstab für den Glauben zu machen, sondern die Realität Gottes zum Korrektiv unseres Denkens. Das muss immer der erste Schritt sein. Dann erst kann das nunmehr relativierte Denken den Glauben prüfen. Das muss natürlich gegen Glaubensirrtümer auch immer wieder sein. Halten wir uns nicht an diese Reihenfolge, dann vergessen wir den schon nach Aristoteles notwendigen „vergessenen Dritten“: wir vergessen nämlich, wer der ist, der da denkt und spricht.

    ***

    Wir alle hängen essentiell als Christen von der Offenbarung Gottes ab. Ist die falsch, sind wir nur noch arme Würstchen, wie Paulus sagt. Aber wir glauben eben dran, dass Gott uns nicht verarscht, auch wenn wir „nicht sehen“. Und das soll doch bitte nicht, auch nicht zwischen den Zeilen, disqualifiziert werden.

  11. @ Wieland Röhricht und Philip

    Zunächst mal: Es ist nicht meine Absicht, irgendjemanden zu einem anderen Zugang zum Glauben zu „bekehren“, als sie oder er hat. Allerdings habe ich ganz einfach meinen Zugang.

    In Sachen „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Lk 1,37) sind Philip und ich vollkommen einer Meinung. Ich glaube fest, dass die Allmacht und Unendlichkeit Gottes uns sogar noch in ein mit Glauben schon nicht mehr zu fassendes Staunen versetzen wird, wenn wir ihm außerhalb jeder begrenzenden Dimensionen nach unserem irdischen Leben direkt begegnen dürfen (womit wir insgesamt im Prinzip erst mal einer Meinung sein dürften).

    Dennoch bleibe ich auch ein klassischer Rationalist (wobei die von Dir angeführte Textstelle 1 Kor 1,18ff. allerdings nicht auf „Rationalität“ abzielt, sondern darauf, dass nach jüdischer Glaubens-(!)Auffassung und Messias-Erwartung ein am Kreuz hingerichteter Mensch ganz einfach nicht der Messias sein kann, während wir als Christinnen und Christen die aus jüdischer Sicht dann natürlich vollkommen absurde Glaubensauffassung vertreten, es sei der Messias, ja Gott selber, der sich hier hat hinrichten lassen). Und in Sachen „Lazarus“ verlinke ich gerne auf eine Predigt, die ich vor wenigen Wochen gehalten habe: Leichen im Keller.

    In dem von Philip zitierten ersten Brief an die Gemeinde in Korinth steht auch der wunderbare Abschnitt: „Nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei – am größten unter ihnen aber ist die Liebe“ (1 Kor 13,13); ein Text, der mir sehr wichtig ist, und der auch als Leitspruch über meiner Diakonatsweihe in knapp zwei Wochen steht. In den vorausgehenden Versen schreibt der Apostel Paulus auch: „Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, und urteilt wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“ (1 Kor 13,9-12).

    Für mich macht Paulus in diesen wenigen Sätzen klar: All unser Erkennen ist begrenzt. Das rationale Erkennen genauso wie das glaubende Erkennen. Ich werde die Größe, Unbegrenztheit, Unendlichkeit und Allmacht Gottes mit meinen Fähigkeiten nie ergreifen können. Ich ahne manches von ihm im Glauben, weil er selber es uns nach meinem Glauben im Bund des Alten Testamentes und in Jesus Christus geoffenbart hat. Aber all das, was niedergeschrieben wurde in der Bibel ist und bleibt nach meiner Auffassung Gotteswort in den unendlich begrenzten Möglichkeiten von Menschenwort und ist kein göttlicher O-Ton. – Und wie sollte man eine Wirklichkeit, die größer ist als alles, was wir begreifen können, besser fassen können, als mit Metaphern?

    Daher gehe ich sowohl mit dem Glauben als auch mit Rationalität an die Schrift heran, versuche mit Hilfe der historisch-kritischen Exegese herauszufinden, wo sich historische Fakten oder mit hoher Wahrscheinlichkeit wortwörtliche Zitate Jesu finden lassen, und versuche gleichzeitig zu ergründen, was der überlieferte Text mir erzählen will oder warum der Autor bestimmte Texte auf bestimmte Weise formuliert, und was seine Absicht dabei war. Und das gilt es dann, auch in das heute zu übertragen und zu fragen, was es uns heute erzählen kann und soll.

    Und Gott bewahre mich davor, die Behauptung aufzustellen, Christinnen und Christen, die einen anderen Zugang zum Glauben haben, würden deswegen weniger lieben. Sollten meine Formulierungen so verstanden werden können, bitte ich das zu entschuldigen. So etwas zu behaupten lag und liegt nicht in meiner Absicht.

    Herzlich grüßt

    Walter Jungbauer

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