Gesetz zur Stammzellenforschung soll aufgeweicht werden

ultra_060307_0003a.jpgEs ist eines der dornigsten Themen zwischen der Politik und biologischen Ethik schlechthin: In wie weit darf aus medizinischen Gründen an embryonalen Stammzellen geforscht werden? Embryonale Stammzellen werden einem Embryo im frühen Status (meist vor dem 14ten Tag) entnommen. Dafür werden auch menschliche Embryonen verwendet. Der Embryo wird dabei vernichtet, nachdem er zuvor in-vitro gezüchtet wurde. Bisher darf in Deutschland generell nur an Stammzelllinien geforscht werden, die von Embryonen außerhalb Deutschlands kommen. Getötet werden müssen diese Embryonen deswegen im Ausland dennoch. Es soll hier nun ein Plädoyer für die Würde und Schutzbedürftigkeit des Embryos als Beginn menschlichen Lebens gehalten werden.

Befürworter aus dem Bereich der Forschung geben als Argumente gerne an, dass die deutsche Forschung hinterher hinke, während andere Länder längst in vollem Umfang an embryonalen Stammzellen forschen würden. „Im vollen Umfang“ bedeutet hier, dass so viele Embryonen gezüchtet werden dürfen – aus denen man die Stammzellen gewinnt – wie man für die Forschung angeblich benötige. Zunächst muss man zwischen totipotenten und pluripotenten Stammzellen unterscheiden: Die ersten können sich zum Menschen weiterentwickeln, die anderen können noch zu Zellen aller Art werden. Das Argument der Forschung, dem internationalen Wettlauf nachkommen zu wollen, kann aber in sich schon als ungenügend beurteilt werden, da hier ethische Gesichtspunkte nicht in Betracht gezogen werden, sondern nur der Wettbewerb als Grund angeführt wird; darum zum zweiten Argument seitens der Wissenschaft:

Immer wieder wird besonders in den Medien ein Bild propagiert, wonach mit einer Ausbreitung der embryonalen Stammzellenforschung schon bald sensationelle medizinische Erfolge gefeiert werden können. Was verschwiegen wird: Längst geben sich viele Forscher nicht mehr so optimistisch, denn de facto weiß man überhaupt nicht, welche Erfolge man erzielen könnte und zweitens sind schon einige erfolgsversprechende Aussichten von wissenschaftlicher Seite als sehr fraglich, ja utopisch eingestuft worden. Vielmehr geht in der heutigen Wissenschaft der Trend dahin, auf diesem gesamten Forschungsfeld auch am „new genetic design“ des Menschen zu arbeiten: Menschen sollen über ihre von Gott geschenkten genetischen Fähigkeiten, die auch Grenzen mit sich bringen, „genkonform“ gemacht werden, was soviel bedeutet, dass wir selber Menschen nach unseren Vorstellungen kreieren und sie mit Fähigkeiten ausstatten, die „übermenschlich“ sind. Dieses Thema ist längst kein Tabu mehr unter renommierten Forschern.

Ein drittes Argument geht dahin, dass man schlichtweg behauptet, dass die menschlichen Embryonen noch keine menschlichen Wesen seien. Philosophisch richtig argumentiert die katholische Kirche, dass menschliches, personales Leben mit der Verschmelzung von Samenzellen und Eizelle beginne. Andernfalls müsste man behaupten, dass der Embryo bis zu einem gewissen Stadium seiner Entwicklung ein Gegenstand wäre und dann ab einem bestimmten Zeitpunkt, den man unmöglich feststellen kann, dann zum Menschen und zur Person wird. Es ist jedoch von der Logik der Sache her absurd zu behaupten, dass aus einem Gegenstand eine geistige, personale und individuelle Person wird. Wir können im ganzen Universum nichts beobachten, was von einem Etwas zu einem Jemand wird. Daraus folgt, dass man von Anfang an, also seit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle, entweder immer schon ein Mensch war oder es nie sein kann. Der Chromosomensatz, der bei der Verschmelzung kombiniert wird, verändert sich zudem bis zum Tod eines Menschen nicht mehr. Die Frage nach dem Zeitpunkt, wann ein Individuum der Art Mensch beginnt, ist eine empirische Frage. Biologisch beginnt es mit der Befruchtung von Ei- und Samenzelle, also der Zygote. Die Frage, ob man von personalem Leben erst ab der Nidation, der Einnistung, sprechen sollte, kann dabei offen bleiben. Dann aber, wenn das menschliche Leben das fundamentalste aller Güter ist, ist für dieses Rechtsgut auch der sicherste Rechtsschutz geboten, d.h. sein biologisches Anfang und Ende.

Somit dürfte klar geworden sein, dass Embryonen und die Stammzellen nicht einfach rechtlose Dinge sind, an denen man herumexperimentieren sollte. Auch eine so genannte Ethik des Heilens, welche gerne als Argument für die Liberalisierung der Stammzellenforschung daher genommen wird, ist aus ethisch moralsicher Sicht sehr bedenklich: Darf man unschuldiges Leben vernichten, damit wir noch länger Leben können? Die Frage nach der Endlichkeit des Menschen rückt hier in den Mittelpunkt und es scheint so, als ob wir mit unserem Ende nicht richtig umgehen können.

Lesen Sie auch: > Stammzellforschung: Im Dilemma.

Bild: Claudia Hautumm/pixelio.de

15 Kommentare zu „Gesetz zur Stammzellenforschung soll aufgeweicht werden

  1. Ich kann mich dem nur anschließen: Zu einer wichtigen Frage wird die Plausibilität der im Diskurs vorgetragenen Argumente erwogen und eine – meiner Ansicht nach – richtige Schlussfolgerung gezogen. Ich denke, dass auch immer mehr Nicht-Katholiken sich mit dieser Position der Personalität „von Anfang an“ werden identifizieren können, weil es, wie hier gut dargestellt, die einzige philosophisch unhintergehbare ist.

    Herzliche Grüße, Ihr Josef Bordat

  2. „Meist vor dem 14ten Tag“ … aha, und dann muss man an den Beginn dieses Geschreibsels ein Ultraschall-Bild setzen, das die Fakten nun wirklich völlig unrichtig darstellt?
    Mein Gott, wie verlogen will man bei dieser unsäglichen Diskussion eigentlich NOCH werden …?

  3. @Ulinne

    Das Bild nehmen wir, weil wir lizenzfreie Bilder von pixelio verwenden. Da muss man nehmen, was es gibt.
    Wenn das mit dem 14. Tag nicht stimmen sollte, kannst Du es gern berichtigen und eine Quelle dazu angeben, die das korrigiert. Der Autor wird das dann sicher ändern. Falls dies ein Fehler sein sollte.

  4. Es geht bei dem Ultraschall-Foto ja nicht um *Tage* nach der Befruchtung, da wird ein Wesen nach sehr viel längerer Zeit dargestellt, in einem bedeutend vielzelligeren Stadium, und das gaukelt den Menschen vor, dass STammzellen noch in diesem Stadium entnommen werden, löst damit evtl. berechtigte Empörung aus. Da das aber so nicht stimmt, ist das Foto irreführend und sollte besser entfernt werden. Such dir lieber ein Bild von einer Zellkugel, bei der noch nicht ersichtlich ist, was daraus einmal werden soll/kann/würde …
    Gruß – Ulrike

  5. Hallo Ulrike,

    bevor du leidenschaftliche Vorwürfe machst und Worte wie „verlogen“ in den Mund nimmst, frage doch lieber dezent nach: Ich habe bei meiner Suche auf pixelio.de erst mit den Suchbegriffen „Stammzellenforschung“ usw. gesucht, war aber durchgehend erfolglos, so dass ich irgendwann einfach das Wort Embryo eingegeben habe. Hab darauf nun gar nicht geachtet.Für den Inhalt ist das Bild aber trotzdem nicht verzerrend, weil hier verdeutlicht werden soll, dass es um ganze Menschen geht. Das kann dieses Bild – obwohl biologisch nicht adäquat zum Artikel passend – gut verdeutlichen.

    Also komm mal klar und mach nicht so nen Aufstand. Wir arbeiten hier auf der Theolounge im Dienste des Herrn und machen auch mal Fehler. Hai Capito?

  6. „Embryonale Stammzellen werden einem Embryo im frühen Status (meist vor dem 14ten Tag) entnommen. Dafür werden auch menschliche Embryonen verwendet. Der Embryo wird dabei vernichtet, nachdem er zuvor in-vitro gezüchtet wurde…Getötet werden müssen diese Embryonen deswegen im Ausland dennoch.“

    „Vergessen“ wird hierbei das winzige Detail, dass diese Embryonen nicht spezifisch für die Stammzellenforschung gezüchtet werden, sondern aus künstlichen Befruchtungen „übrigbleiben“. Aufgrund der Tatsache, dass diese Befruchtungen keine sehr hohe Erfolgsquote haben, gibt es, wenn sie dann doch erfolgt, bereits befruchtete Eizellen, die nun aber nicht mehr benötigt werden und – der entscheidende Punkt – entsorgt werden. Inwieweit das besser sein soll als die Verwendung in der Forschung, bleibt daher ein Rätsel. Es wird hier suggeriert, dass diese Embryonen entweder spezifisch für die Forschung herangezüchtet werden oder aber später „normale“ ausgewachsene Menschen geworden wären, würde man sie nicht für die Stammzellenforschung verwenden. Beides ist unzutreffend.

    „“Im vollen Umfang” bedeutet hier, dass so viele Embryonen gezüchtet werden dürfen – aus denen man die Stammzellen gewinnt – wie man für die Forschung angeblich benötige“

    Das ist falsch, siehe oben.

    „mmer wieder wird besonders in den Medien ein Bild propagiert, wonach mit einer Ausbreitung der embryonalen Stammzellenforschung schon bald sensationelle medizinische Erfolge gefeiert werden können. Was verschwiegen wird: Längst geben sich viele Forscher nicht mehr so optimistisch, denn de facto weiß man überhaupt nicht, welche Erfolge man erzielen könnte und zweitens sind schon einige erfolgsversprechende Aussichten von wissenschaftlicher Seite als sehr fraglich, ja utopisch eingestuft worden“

    Welches Bild in den Medien entworfen wird, ist im Gegensatz zur Meinung der Forscher vergleichsweise irrelevant. Es geht in diesem Bereich immer noch Grundlagenforschung in einer sehr jungen Wissenschaftsdisziplin und um MÖGLICHE Anwendungen. Ob diese Möglichkeiten bestehen oder nicht, ist aber nun mal erst am Ende der Forschungen zu beantworten und nicht vorher.

    „Es ist jedoch von der Logik der Sache her absurd zu behaupten, dass aus einem Gegenstand eine geistige, personale und individuelle Person wird. Wir können im ganzen Universum nichts beobachten, was von einem Etwas zu einem Jemand wird.“

    Sind Spermien und Eizellen daher auch geistige, personale und individuelle Personen? Oder Gegenstände, aus denen eine solche wird?

    „Somit dürfte klar geworden sein, dass Embryonen und die Stammzellen nicht einfach rechtlose Dinge sind, an denen man herumexperimentieren sollte. Auch eine so genannte Ethik des Heilens, welche gerne als Argument für die Liberalisierung der Stammzellenforschung daher genommen wird, ist aus ethisch moralsicher Sicht sehr bedenklich: Darf man unschuldiges Leben vernichten, damit wir noch länger Leben können?“

    Diese „Vernichtung“ derselben Embryonen fände auch ohne Stammzellenforschung statt.

  7. Also zu Ihren guten Einwänden einige Nachträge, um meinem Standpunkt noch etwas Nachdruck zu verleihen:

    Erstens: Es stimmt, dass in Deutschland nur übriggebliebene Stammzellen verwendet werden dürfen und dass es verboten ist nur zu Forschungszwecken Embryonen zu züchten: Das gilt für Deutschland. Dennoch ist es so, dass Stammzellenlinien mit dem Stichtag vor dem 1.1.2002 aus dem Ausland zu Forschungszwecken unter strengen Auflagen importiert werden. Diese Stammzellenlinien sind jedoch nur durch die Tötung von Embryonen zu gewinnen!

    Zweitens:
    Ich glaube, Sie vertauschen hier etwas. Gerade unter Forschern werden die Erfolgserwartung auf einigen Gebieten gedämpft und in den Medien wird ein Allheilsmittelkonzept durch die Stammzellenforschung vermittelt.

    Drittens: Natürlich sind Spermien keine geistigen, personalen Wesen. Jedoch ist nach der Verschmelzung der Samen- und Eizelle zur Zygote folgender Sachverhalt gegeben. Diese „Konstruktion“ besitzt die Möglichkeit Mensch zu werden (was die einzelnen Spermien ohne den weiblichen Part nicht haben) und bei der Verschmelzung – auch vor der Nidation – entsteht ein menschlicher Chromosomensatz, der durchgehend bis an das Ende eines jeden Menschen so erhalten bleibt. Des weiteren setzt ab ein Entwicklungsprozess ein, der unter dem normalen Fortlauf der Dinge sicher zu einem Mensch wird. Ab welchem Tag dieser Embyro so etwas wie Bewusstsein, ein voll funktionierendes Gehirn usw. hat, lässt sich nicht ganz genau feststellen, aber es sollte doch klar sein, dass ab der Zygote, wo eben dieser Prozess einsetzt, wir nicht davon ausgehen können, dass aus einem Gegenstand an einem undefinierbaren Zeitpunkt eine Person wird: Das ist unlogisch! Aus einem Etwas wird kein Jemand.

    Viertens: Ja, die Stammzellen würden auch so sterben. Und über diesen Punkt kann man wirklich geteilter Meinung sein. Ich meine aber, dass durch die Forschung ein unnatürlicher Tod – eines Wesens,dass die Anlage zum Menschen in sich trägt- eintritt.

  8. „Erstens: Es stimmt, dass in Deutschland nur übriggebliebene Stammzellen verwendet werden dürfen und dass es verboten ist nur zu Forschungszwecken Embryonen zu züchten: Das gilt für Deutschland. Dennoch ist es so, dass Stammzellenlinien mit dem Stichtag vor dem 1.1.2002 aus dem Ausland zu Forschungszwecken unter strengen Auflagen importiert werden. Diese Stammzellenlinien sind jedoch nur durch die Tötung von Embryonen zu gewinnen!“

    Die importierten Stammzellen stammen aber ebenfalls von überzähligen Embryonen und würden sowieso „getötet“.

    „Ich glaube, Sie vertauschen hier etwas. Gerade unter Forschern werden die Erfolgserwartung auf einigen Gebieten gedämpft und in den Medien wird ein Allheilsmittelkonzept durch die Stammzellenforschung vermittelt.“

    Ich habe doch dasselbe geschrieben und halte die Meinung der Forscher für die einzig wirklich relevante. Allerdings kenne ich keinen Forscher der sagt, dass wir nun genug wissen, um die Stammzellforschung als sinnlos abzubrechen. Wie so oft hat sich herausgestellt, dass das Problem komplexer ist, als anfänglich erhofft. Es gibt zudem bisher auch schon erfolgreiche Behandlungen (Knochenmarks- und Hauttransplantation) die auf Stammzellentherapie basieren, die man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte. Wie gesagt, wir reden hier noch von Grundlagenforschung.

    “ Des weiteren setzt ab ein Entwicklungsprozess ein, der unter dem normalen Fortlauf der Dinge sicher zu einem Mensch wird. “

    Für die in der Stammzellenforschung genutzten Embryonen gilt dies nicht. Und übrigens für immerhein ein Drittel aller „richtig“ gezeugten Embryonen auch nicht, denn so hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt. Das beantwortet das grundlegende ethische Problem nicht, aber die Behauptung, aus jedem Embryo würde ohne menschlichen Eingriff quasi immer ein vollständiger Mensch, ist so pauschal ebenfalls nicht richtig. Ab wann ein Mensch ein solcher ist, kann ich auh nicht wirklich beantworten, aber bei einem derart frühen Stadium, wenn kaum mehr als ein paar Zellen vorhanden sind, ist es schon schwierig, es sei denn, man argumentiert mit religiösen Konzepten wie der Beseelung, obwohl es dergleichen offensichtlich gar nicht gibt. Man müsste hier eben wie gesagt auch bedenken, dass Gott es so eingerichtet hätte, dass ein Drittel aller von ihm beseelten Menschen nie geboren werden.

    “ Ja, die Stammzellen würden auch so sterben. Und über diesen Punkt kann man wirklich geteilter Meinung sein. Ich meine aber, dass durch die Forschung ein unnatürlicher Tod – eines Wesens,dass die Anlage zum Menschen in sich trägt- eintritt.“

    Es wäre also – überspitzt gesagt – ethischer jemand verhungern zu lassen als ihn zu erschießen, weil das ein „natürlicher“ Tod ist? Man müsste hier konsequenterweise entweder fordern, dass künstliche Befruchtungen verboten werden bzw., dass die entsprechenden Embryos ewig eingefrostet aufgehoben werden müssten.

  9. Also: Wenn die Perspektive der Wissenschaft die einzig relevante ist, brauchen wir überhaupt keine Ethik mehr. Denn aus wissenschaftlicher Sicht ist auch eine Atombombe nichts schlimmes(bzw. wertfrei). Sagen Sie das mal einem KZ Häftling, der von Herr Mengele behandelt wurde, denn auch Mengele hat sogar wissenschaftliche Erkenntnisse aus seinem Horrorversuchen gewonnen.

    Ab wann jemand ein ausgeprägter Mensch ist, kann eben niemand sagen. Dass das Risiko der Fehlgeburt ein Drittel beträgt ist mir klar. Jedoch ist der menschliche Zeugungsakt auf erfolgreiche Fortpflanzung ausgerichtet und nicht auf Fehlgeburten: daraus folgt: meine Aussage, dass unter „normalen“ Bedinungen (ich hätte vielleicht besser „unter optimalen..“ schreiben sollen) ist evolutionäre und biologisch richtig.

    Wenn es Beseelung (ich weiß ja nicht, was Sie darunter verstehen) nicht gibt, möchte ich gerne mal fragen, wie Sie ihr Bewusstsein, damit meine ich besonders ihr individuelles Erleben, ihr Ich-Sein (Trauer, Liebe, Hass) rein wissenschaftlich, also nur materialistisch erklären wollen. Die Hirnforschung ist weit, aber niemals könnte man z.B. reproduzieren, wie es ist ,Sie‘ zu sein.

    Bei der Frage, ob ein Zellhaufen schon ein Mensch ist, bleibe ich bei meinem Argument: Da wir nie einen Zeitpunkt angeben können, müssen wir die biologische Grenze nehmen, welche die Verschmelzung wäre, denn (zum dritten Mal!!!): Aus Gegensatänden werden doch dann keine personalen Wesen.

    Warum ein Dirttel der von Gott eingerichteten Menschen der Statistik nach sterben müssen, kann ich nicht kausal , sondern nur philosophisch versuchen zu beantworten, ansonsten wäre ich Gott. Ich kann erkennen, dass die gesamten Schöpfung fehlerhaft ist, denn sie ist ja nicht Gott gleich, sondern materialistisch, also vergänglich. Ich denke Gott war sich dessen bewusst, dass wenn er etwas schafft, dieses nicht auch wie Gott, also perfekt, würde (Gott kann von der Logik her keine Götter schaffen). Aus seiner Allmacht und Liebe heraus vermag er jedoch auch für ungeborenes Leben, ewiges Heil zu gewährleisten.

    Nun zum letzten Einwand. Ich würde niemanden erschießen, wenn er am verhungern ist, sondern mit ihm zusammen das Leid auf mich nehmen und mit ihm verhungern. Vielleicht macht das den Unterschied zwischen einem Christen zu anderen aus.
    Hier geht es um die ganze Euthanasie-Frage. Ob es besser ist jemanden dann zu erschiessen weiß ich nicht. Für Sie dürfte es jedenfalls kein Problem sein, denn auf ein Stück unbeseeltes Fleisch aus Kohlenstoff und 80% Wasser kann man ja ruhig draufhalten, gel?

  10. Noch was: ich bitte um Enschuldigung, dass ich erst in ca. einer Woche weiter diskutieren kann, da ich mich nun einen Ort begebe, an dem ich ohne Internet auskommen muss;-)
    Grüße!

  11. „Also: Wenn die Perspektive der Wissenschaft die einzig relevante ist, brauchen wir überhaupt keine Ethik mehr.“

    Ich habe mich anscheinend nicht deutlich genug ausgedrückt: mir ging es um die höhere Relevanz gegenüber populären Mediendarstellungen. Und warum sollte Wissenschaft prinzipiell unethisch sein?

    „Denn aus wissenschaftlicher Sicht ist auch eine Atombombe nichts schlimmes(bzw. wertfrei).“

    Die zugrundeliegenden Forschungen bzw. Naturgesetze sind wertfrei, eine Bombe ist eine Waffe und daher kaum wertfrei. Wieviele Wissenschaftler kennen sie, die das behaupten würden?

    „Sagen Sie das mal einem KZ Häftling, der von Herr Mengele behandelt wurde, denn auch Mengele hat sogar wissenschaftliche Erkenntnisse aus seinem Horrorversuchen gewonnen.“

    Und alle Wissenschaftler sind prinzipiell der Ansicht, dass die richtig war? Alles ethikfreie Monstren, die ohne Gewissen Menschenleben für ihre Forschung opfern würden?

    „Wenn es Beseelung (ich weiß ja nicht, was Sie darunter verstehen) nicht gibt, möchte ich gerne mal fragen, wie Sie ihr Bewusstsein, damit meine ich besonders ihr individuelles Erleben, ihr Ich-Sein (Trauer, Liebe, Hass) rein wissenschaftlich, also nur materialistisch erklären wollen“

    Das Bewusstsein scheint hier das ultimative Argument für fast alles zu sein. Dabei wird, ich schrieb es schon andernorts, vieles ignoriert, was wir über die Bindung unseres individuellen Erlebens an rein materialistische, biochemische Prozesse bereits wissen. Wir mögen vieles noch nicht wissen, aber einiges ist durchaus schon bekannt und es weist darauf hin, dass auch das Bewusstsein einen sehr „irdischen“ Ursprung hat. Da dies unser Selbstverständnis wie viele frühere wissenschaftliche Erkenntnisse (Evolution, geozentrisches Weltbild) empfindlich stört, möchte man das gern lieber weiter mystifizieren, verständlicherweise speziell aus religiöser Sicht. Ganz simple Beispiele sind die Wirkungen von Drogen und Psychopharmaka.

    „Die Hirnforschung ist weit, aber niemals könnte man z.B. reproduzieren, wie es ist ,Sie’ zu sein.“

    Das wird sicher sehr schwierig, aber evtl. nur, weil man dafür eine Vielzahl von Parametern und Daten wissen müssten, die wir nicht zeitnah erfassen können. Aber das schließt doch nicht automatisch aus, dass das Bewusstsein nicht materialistisch zu erklären ist.

    „Aus Gegensatänden werden doch dann keine personalen Wesen.“

    Woraus sind Menschen denn gemacht, wenn nicht aus Gegenständen, nämlich in bestimmter Weise angeordneten Atomen?

    „Warum ein Dirttel der von Gott eingerichteten Menschen der Statistik nach sterben müssen, kann ich nicht kausal , sondern nur philosophisch versuchen zu beantworten, ansonsten wäre ich Gott. Ich kann erkennen, dass die gesamten Schöpfung fehlerhaft ist, denn sie ist ja nicht Gott gleich, sondern materialistisch, also vergänglich. Ich denke Gott war sich dessen bewusst, dass wenn er etwas schafft, dieses nicht auch wie Gott, also perfekt, würde (Gott kann von der Logik her keine Götter schaffen)“

    Er hat die Schöpfung, zumindest die ursprüngliche, aber durchaus als „gut“ angesehen. Und es ist doch auch ein ziemlich seltsames Zeichen von Allmacht, wenn man nur etwas Fehlerhaftes erschaffen kann. Wieso sollte ein allmachtiges Wesen kein weiteres allmächtiges Wesen erschaffen können? Hieße dass dann nicht zwangsläufig, dass es nicht allmächtig ist?

    „. Aus seiner Allmacht und Liebe heraus vermag er jedoch auch für ungeborenes Leben, ewiges Heil zu gewährleisten.“

    Dann könnte man doch eigentlich auch den Widerstand gegen die Stammzellenforschung aufgeben und auf Gott vertrauen? Die Embryonen werden, ob mit oder ohne Stammzellenforschung, ja nicht geboren.

    „Nun zum letzten Einwand. Ich würde niemanden erschießen, wenn er am verhungern ist, sondern mit ihm zusammen das Leid auf mich nehmen und mit ihm verhungern.“

    Das war nicht der Hintergrund der Frage, sondern es ging darum, warum das Entsorgen eines Embryos „natürlicher“ und akzeptabler sein sollte als die Forschung mit dessen Stammzellen, wenn beides unausweichlich dasselbe Ergebnis hat.

    „Vielleicht macht das den Unterschied zwischen einem Christen zu anderen aus.“

    Ich will das ja nicht grundsätzlich bezweifeln, aber halte es schon für eine sehr kühne Aussage, wenn man sie quasi im warmen Sessel mit einer solchen Sicherheit trifft.

    „Hier geht es um die ganze Euthanasie-Frage. Ob es besser ist jemanden dann zu erschiessen weiß ich nicht. Für Sie dürfte es jedenfalls kein Problem sein, denn auf ein Stück unbeseeltes Fleisch aus Kohlenstoff und 80% Wasser kann man ja ruhig draufhalten, gel?“

    Die komische Hybris, dass man ein Menschenleben nur dann achten und schützen kann, wenn man es als ein Geschenk eines höheren Wesens betrachtet, ist schon immer wieder erstaunlich. Der Kontext der Frage war trotzdem ein anderer: wenn man weiss, egal, was ich mache, wird X sterben, wieso ist dann eine Todesart der anderen vorzuziehen?

  12. Grundlage unser Ethik sollte es sein Leiden allgemein und menschl. Leiden im Besonderen zu minimieren, wenn nicht gar vollstaendig zu verhindern.

    Ein 14-taegiger Foetus hat kein Gehirn, das Bewustsein generieren koennte. Er _kann_ nicht leiden, ich sehe deshalb ethisch in der Verwendung solcher Zellen kein wie immer geartes Problem.

    Der Vergleich zu Dr. Mengele ist ungehoerig: Dieser quaelte Menschen, die Leid spuerten und Angst hatten.

  13. „Dement“ bedeutet nicht ohne Bewusstsein oder nicht Leiden zu koennen. Ich sehe nicht den Sinn dieser Frage in diesem Zusammenhang.

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