Öl ist viel zu billig

oel.jpgViele Millionen Jahre hat es gedauert, bis aus organischem Material Erdöl wurde. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts (also seit etwas mehr als 150 Jahren) wird dieses Erdöl in industriellem Ausmaß gefördert und genutzt (Erdöl an und für sich ist wird bereits seit vielen tausend Jahren u.a. in Vermischung mit Sand oder Schilf zur Abdichtung von Schiffsplanken genutzt). In seinen unterschiedlichen Formen (Benzin, Heizöl, Kunststoff, …) bestimmt es mittlerweile maßgeblich unser gesamtes Leben und ist schon fast nicht mehr wegzudenken.

Und der Bedarf nach diesem begrenzten Rohstoff wächst weiter sprunghaft. Im Moment nutzen vor allem die westlichen Industrieländer diese Natur-Ressource. Mittlerweile streben allerdings auch u.a. die bevölkerungsreichen Länder China und Indien ein den westlichen Industrieländern vergleichbares Wohlstandsniveau an, welches eng mit der Nutzung des Erdöls verknüpft ist.

Voraussichtlich 2009/2010 wird der so genannte „Peak Oil“ erreicht sein, das Fördermaximum für Öl, welches erreicht werden kann; es ist zugleich der Punkt, an dem die Hälfte allen verfügbaren Erdöls verbraucht sein wird. Die Erdölförderung wird ab diesem Zeitpunkt nicht mehr steigen können; vielmehr werden immer größere technische Anstrengungen notwendig sein, das vorhandene Erdöl noch zu fördern. Die Folge werden exponentiell steigende Erdöl-Preise sein, gegen die sich die derzeitigen Steigerungsraten niedlich ausnehmen werden, zumal die Nachfrage parallel steigt.

Der Welt-Klima-Rat (IPCC) hat jetzt auf knapp 70 Seiten (22 davon zu den Auswirkungen des Klimawandels) für jeden zugänglich und nachlesbar die mit dem steigenden Verbrauch der fossilen Ressourcen zusammenhängenden verheerenden ökologischen Probleme zusammengefasst (s.u.). Doch selbst wenn ich diese ökologischen Folgen vollkommen ausblenden würde, müsste jeder auch nur ansatzweise rational reflektierende Mensch erkennen, dass wir auf Grund der absehbaren Begrenztheit von und dem weltweit steigenden Hunger nach Erdöl derzeit mit Express-Tempo sehenden Auges auf kriegerische Auseinandersetzungen zurasen, gegen die der Irak-Krieg nur ein müder Abklatsch gewesen sein dürfte.

Ich kann schon aus diesen Überlegungen heraus nicht in die weit verbreitete Klage über die angeblich so hohen Ölpreise einstimmen. Ich denke eher, dass der Ölpreis angesichts der zu erwartenden Entwicklungen derzeit sogar noch erstaunlich moderat ist. Und angesichts der Tatsache, wie verschwenderisch in den westlichen Industrieländern noch immer mit dieser knappen Ressource umgegangen wird (z.B. SUV, laufende Motoren bei länger stehenden Fahrzeugen, …) habe ich auch noch nicht das Gefühl, dass die derzeitigen Preise bereits relevante Auswirkungen auf das Verhalten der meisten Menschen haben.

Mit der Problematik Erdöl werden übrigens exemplarisch alle drei Bereiche des so genannten Konziliaren Prozesses aufgegriffen: Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung:

  • wenn wir den Frieden nicht durch Konflikte um die Energie- und Rohstoff-Ressource Erdöl gefährden wollen,
  • wenn wir an einer gerechteren Welt arbeiten wollen, in der alle Menschen das gleiche Recht auf Wohlstand haben,
  • wenn wir Gottes Schöpfung bewahren und den Klimawandel bremsen wollen,

können wir diese Entwicklung als Kirchen nicht schweigend übergehen. Es ist unsere Aufgabe, darauf zu drängen, dass die Gesellschaft ihren Umgang mit dem Erdöl überdenkt und konsequent auf nachhaltige Energie- und Rohstoff-Alternativen umgesteuert wird (dazu eine Anmerkung: Atomkraft ist dabei m.E. auf Grund der Unfallgefahr, der Gefahr terroristischer Anschläge auf Atomkraftwerke und nicht zuletzt auf Grund der über Millionen von Jahren strahlenden Hinterlassenschaften nicht das, was ich im Energiesektor als nachhaltige Alternative bezeichnen würde – vgl. dazu u.a. die Hintergrundinfos des BUND).

Der Konziliare Prozess ist aktueller den je, auch wenn die Kirchen ihn bedauerlicherweise etwas aus den Augen verloren haben. Dass der Konziliare Prozess in der offiziellen Schlusserklärung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung vor wenigen Wochen in Sibiu nicht ausdrücklich als wieder zu forcierender Bereich kirchlichen Vordenkens und Handelns thematisiert wurde, ist und bleibt mir unverständlich (aber wenigstens haben die Jugendlichen in ihrer eigenen und sehr lesenswerten Schlusserklärung den Konziliaren Prozess klar thematisiert; kann ebenfalls auf der verlinkten Website abgerufen werden).

Umso mehr wäre der 2. Ökumenische Kirchentag 2010 in München eine herausragende Gelegenheit für die Kirchen der Ökumene in Deutschland, hier ein klares gemeinsames Zeichen dafür zu setzen, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben, mit prophetischer Stimme zur Umkehr aufrufen – und diese in den eigenen Reihen konsequent vorleben.

Zur Öl-Problematik empfehle ich die (deutsche) Seite der „Association for the Study of Peak Oil and Gas“ (ASPO)

Der Bericht des IPCC kann als pdf abgerufen werden unter www.de-ipcc.de

Foto: Thomas Max Müller – Quelle: http://www.pixelquelle.de

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