Weihnachten und Schuhkarton

Judith Lisser-Meister - Quelle: www.pixelquelle.deSeit ein paar Tagen sammeln sie wieder: Die Aktion “Weihnachten im Schuhkarton” und der dahinter stehende Verein “Geschenke der Hoffnung“.

Im Prinzip ist das ja eine gute Idee. Da wird ein Schuhkarton voll mit Geschenken wie Barbiepuppen, Buntstifte oder Schminksachen u.ä. gepackt, und dann über das Netzwerk einer Organisation zu Kindern gebracht, die bedürftig sind. Wer allerdings meint, er würde mit dem Schuhkarton nachhaltige und effektive Hilfe leisten, sollte sich mit den Argumenten derer auseinandersetzen, die diese Aktion sehr kritisch sehen. Denn diese Aktion, so der Hauptkritikpunkt, leistet keinen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der oftmals prekären Situation in den betroffenen Ländern.

So hat der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Thüringer Landesbischof Dr. Christoph Kähler bereits 2005 deutlich darauf hingewiesen, dass die Geschenke in den Schuhkartons “kaum mit der Wirklichkeit der Kinder zu tun [haben]. Mit einer Puppe kann ein Kind spielen, sie stillt aber keinen Hunger.” Die Päckchen könnten im besten Fall Zeichen der Nächstenliebe sein, würden aber keine Not lindern. Die Kinder in armen Ländern bräuchten vor allem Bildung, Gesundheit, und eine langfristig gesicherte Ernährung. Da die Aktion “Weihnachten im Schuhkarton” mit der Arbeit von Hilfswerken wie Brot für die Welt in Konkurrenz stehe, die echte Entwicklungshilfe leisteten, müsste man Sorge haben, dass “für Schulpatenschaften, Straßenkinderprojekte, Dörfer für Aidswaisen oder den Bau von Brunnen weniger gespendet würde, weil sich die Hilfsbereitschaft in den Weihnachtspäckchen erschöpft.” (Pressemitteilung: Bischof Kähler kritisch zu “Weihnachten im Schuhkarton”)

Wichtiger als diese Geschenke sind daher Investitionen in die Infrastruktur, die Ausbildung der Menschen oder Anleitungen mit Anschubfinanzierung von Wirtschaftsprojekten, die die soziale Situation in den Empfängerländern nachhaltig verbessern.

Weitere sehr gute Hintergrundinformationen zu der Debatte findet man

.

Zum Originalartikel (und einigen interessanten Kommentaren von Schuhkarton-Befürworter-Seite): > Vorsicht: Weihnachtlicher Schuhkarton!

>> www.alt-katholisch.net

Foto: Judith Lisser-Meister – Quelle: http://www.pixelquelle.de

12 Kommentare zu „Weihnachten und Schuhkarton

  1. Weihnachten bei den Ackermanns

    Reinhold und Uhrrßulla Ackermann haben immer schwer geschuftet.
    Als Geschäftsführer eines mittelständischen Kosmetikkonzernes und Hausfrau weiß man, was man zusammen geschaffen hat.
    Zur Belohnung sind die Ausschüttungen dieses Jahr unterm Christbaum wieder satt und übervoll.
    „Uhrrßulla“ grölt der vor Kraft kaum laufen könnende Hausherr mit feierlich geschwollenen …mit geschwollener Brust durch den frühen Morgen des 24. über die Terrasse, wo Uhrrßulla den grünen Eisenfuß in der Doppelgarage sucht „Es kommen noch drei Gäste mehr!“
    Die halbe LK ist eingeladen, die Gideons, und nun kommt doch dieser ZDF-Junggeselle!

    Uhrrßulla kann schön dekorieren.

    Aber dieses Jahr soll es die Pfraauuu nicht so schwer haben.
    Deshalb wurde ein Party-Service engagiert…
    Recht gelungene Festmenü-Karte!

    Uhrrßulla darf zwischen den Jahren für 3 Tage auf eine DHAE-Wellnesfarm auf Sylt fahren, während Reinhold seinen neuen Mini-Rasenmäher-Traktor ausprobieren wird, falls es grün bleibt.
    Sonst haben sie sich nichts gewünscht. Sie haben ja auch alles.

    Nach ihrer 12-jährigen Beamtenpause wegen der Kinder ist Uhrrßulla dann nicht zurück in den Beruf gegangen. Reinhold wollte das nicht. Und nun bleibt er dann auch zu Hause.Schließlich ist er auch schon 57…

    Die beiden studierten Kinder sind wohl versorgt und wohnen nicht mehr bei den Eltern.
    Die künftigen Schwiegersöhne kommen auch zum Abendessen.
    Die Oma wird beiden Enkelkindern wieder je einen odentlichen Checkausstellen…

    Reinhold und Uhrrßulla freuen sich auf ihre wohlverdiente dritte Lebensphase, in der sie nun endlich die Ferienwohnung in Kärnten ausbauen, ihre Schulfreunde in Canberra besuchen und den neuen Golfplatz von Howard C. :-)) in Ägypten ausprobieren werden.
    Ach ja, wir wünschen ebenfalls ein frohes Fest!

  2. Die Kritik greift zu kurz, denn es wird nicht thematisiert in welcher Weise die Spender funktionalisiert werden: Die werden nämlich nicht darüber informiert, daß die Geschenkpackete im Rahmen von evangelistischen Aktionen verteilt werden.

  3. Ich weiß selber nicht, warum mich diese Kritik so aufregt: Mit einer Puppe kann ein Kind spielen, sie stillt aber keinen Hunger.” Vielleicht gehts auch genau darum: Mit einer Puppe kann ein Kind spielen! Punktum. Warum kann sich eine Organisation nicht nur genau diesem Aspekt der Nächstenliebe widmen? Ich möchte mit meinem Schuhkarton nicht „nachhaltige und effektive Hilfe“ leisten, sondern einem Kind eine Freude machen – auch wenn das mit deren Realität nichts zu tun hat! Im übrigen gibt es Hinweise, was NICHT in so einen Schuhkarton gepackt werden sollte. Bei mir hinterläßt der Artikel einen schalen Geschmack. Höre ich da vielleicht „Futterneid“ aus den damaligen Bemerkungen von Thüringer Landesbischof Dr. Christoph Kähler? Ich halte es lieber mit: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und diesem Sinne werde ich auch weiterhin Schuhkartons packen, um diesen Kindern wenigstens ein Geschenk zukommen zu lassen zum Weihnachtsfest.

  4. Als Ergänzung zu meinem Artikel und den kommentierenden Beiträgen:

    Auch die römisch-katholische Kirche betrachtet die Aktion eher kritisch: Armut lässt sich nicht nur mit Geschenkpäckchen bekämpfen. Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ist kein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklungshilfe.
    Ludiwg Kuhn, Geschäftsführer der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier macht deutlich, dass für „die gut 35 Euro, die ein Spender nach Angaben der Organisatoren durchschnittlich für einen „Schuhkarton“ mit Süßigkeiten und Spielsachen und dessen Transport aufwendet, … zum Beispiel nach Angaben des Bischöflichen Hilfswerks Misereor einer jungen Frau in Äthiopien auch ein Startkredit zum Aufbau einer eigenen Existenz finanziert werden“ kann. – Und das ist auch m.E. wesentlich sinnvoller und nachhaltiger, als die Schuhkartons mit Evangelikaler Mission.

  5. Interessant, dass ich grad über Deinen Artikel stolpere – ich hab nämlich tatsächlich Samstag so einen „Schuhkarton“-Flyer eingepackt.
    .. doch Du hast recht.

    Ich denke, meine Wahl, ein Patenkind in Afrika zu haben war der richtigere Schritt in die Richtung. 🙂

  6. Jeder noch so kleine Beitrag, der für eine nachhaltige Entwicklungshilfe geleistet wird ist nicht nur gut sondern auch ausgesprochen wichtig. Das nützt selbstverständlich mehr als nur ein Weihnachtsschuhkarton. Auf diese Tatsache hinzuweisen erscheint mir sinnvoll.

    Allerdings finde ich es nicht verwerflich, Kindern zu Weihnachten eine Freude zu machen, indem ich für sie ein kleines Paket zusammenstelle, das mir, nebenbei erwähnt, keine 35 Euro kostet. Diese Aktion erhebt nicht den Anspruch der Nachhaltigkeit. Ist sie deshalb unberechtigt?
    Ich denke nicht.

    In Ihrem Beitrag lese ich den heimlichen Vorwurf heraus, einer jungen Frau in Äthiopien den Startkredit zu verwehren, weil ich stattdessen ein Weihnachtspaket für ein Kind in Rumänien schnüre. Dies erscheint mir ziemlich unpassend und bevormundend.

    Schenken soll unterschiedlichsten Ausdruck finden dürfen.

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    die allgemeine Meinung zur Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ist in vielen Beiträgen die gleiche. Fehlende Nachhaltigkeit, Evangelisation, Äußerungen des Billy Graham.

    Bei diesen Äußerungen fällt mir spontan das Gleichnis mit dem Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen Auge ein.

    In diesem Jahr habe ich das erste Mal an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ teilgenommen und habe nirgends den Anspruch des Organisators entdecken können, dass dies ein Entwicklungshilfeprojekt ist.

    Zudem sei die Frage erlaubt, warum die Kirchen nicht deutlicher gegen Exportsubventionen protestieren, die dem afrikanischen Markt derart mit billigen Lebensmitteln überschwemmen, dass einheimische Landwirte nicht mehr kostendeckend gegen das europäische Angebot produzieren können?

    Dieses hat die Folge, dass zum einen immer mehr Menschen aus Afrika nach Europa drängen (fehlende Existenzgrundlage) und zum Anderen das Wissen um die richtige Ackerbestellung verloren geht. Soll das eine Entwicklungspolitik nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein?

    Und was landet auf deutschen Gabentischen? Schenken wir nicht auch unseren kleinen und großen Verwandten Dinge, die eigentlich unnütz sind? Warum schenken wir nicht etwas Sinnvolles, was ohnehin benötigt wird (z. B. einen Liter Milch, ein Brot, ein Stapel Schulhefte oder die Schulbücher für das nächste Jahr)? Den Betrag für unnützen Nippes könnte man dann für einen guten Zweck spenden.

    Also, warum nicht? Ganz einfach, weil wir jemandem eine Freude bereiten wollen. Und es geht auch darum, anderen Menschen zu zeigen „ich habe dich lieb und du bist mir wichtig“, so wie es auch Jesus zu uns sagt.

    Damit bin ich beim nächsten Punkt: Jesus Christus. Es wird sich darüber beschwert, dass das Evangelium in Form eines bunten Comics weitergegeben wird.

    Hierzu meine Frage: Warum feiern wir Weihnachten?
    A) Damit der Einzelhandel seine Lager räumen kann oder
    B) weil Jesus geboren ist?

    Antwort B ist natürlich richtig. Und wer steht bei einer Geburtstagsfeier im Mittelpunkt? Natürlich das Geburtstagskind! Also, warum sollte es verwerflich sein, an Weihnachten über Jesus Christus zu sprechen?

    Darüber hinaus noch eine Bemerkung. Ich wurde im Dezember 1970 geboren und im Mai 1971 getauft. Mich hat man nicht gefragt, ob ich Jesus Christus als meinen Erlöser annehmen will. Ich wurde „zwangsgetauft“.

    Ein 7jähriges Kind wird sich sicherlich nicht gleich taufen lassen, nur weil es einen „Jesus-Comic“ zu Weihnachten bekommen hat, sondern wahrscheinlich erst im Erwachsenenalter. Dieses Kind, welches dann groß ist, kann sich bewusst für Jesus Christus entscheiden und nicht durch „Zwangstaufe“.

    Und somit komme ich zum letzten Punkt: Billy Graham. Was ich über ihn weiß sind nicht nur positive Dinge, sondern auch viel Schlechtes: Befürworter des Vietnamkriegs und der Todesstrafe, Abtreibungs- und Homosexuellengegner.

    Und auch hier kann das Gleichnis vom Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen Auge angeführt werden.

    Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass niemand von uns vor Gott ohne die Zuwendung Jesus Christus bestehen kann. Billy Graham ebenso wenig wie Dr. Kähler oder ich.

    Denn wo wir Menschen eine gute Tat in Gottes Buch stehen haben, da haben wir 10 oder 100 oder 1000 oder 100000 schlechte Taten in Wort, Werk oder Gedanken stehen.

    Wir beten im Vater unser „… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“. Wer Vergebung erbittet, muss bereit sein, einem Anderen seine Schuld zu vergeben. Wer dies nicht tut, dem wird auch Jesus seine Schuld nicht vergeben.

    Daran sollten die Menschen denken, die einen anderen verurteilen. Denn diese werden nach ihrem eigenen Maß gerichtet.

    Amen.

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