Gott und der Zufall

sonnenblume.jpgKann man Gott aus seinen Werken erkennen ? Dieser Gedanke ist nicht neu, man findet ihn beispielsweise schon bei den Römern.  Heutzutage gehen verschiedene Richtungen dieser Fragestellung nach, so beispielsweise die Intelligent-Design-Bewegung.
Die Frage ist aber nun: kann man denn überhaupt hinter die Kulissen schauen ?

Nehmen wir einen Vergleich zur Hilfe. Angenommen, man programmiert ein Computerspiel. Die Figuren in den Computerspiel wären also stellvertretend für die Menschen. (anbei sei erwähnt: der Vergleich hinkt natürlich, denn das Leben ist kein Computerspiel und auch irgendwo kein Spiel, weil es nämlich immer erstmal tödlich endet).

Aber bleiben wir bei diesem Vergleich: Jemand hätte also ein Computerspiel erschaffen. Darin gibt es Spielfiguren und verschiedene Landschaften. Was würden die Spielfiguren machen ?

Alles mögliche. Unter anderem würden sie versuchen, ihrer Ursache auf den Grund zu kommen. Sie würden Theorien darüber aufstellen, wie sie entstanden seien. Dabei würden sie aber nicht allzuweit kommen. Vielleicht aber soweit: sie würden erkennen, dass sie aus Pixeln bestehen und würden eine Theorie darüber entwickeln, wie sich durch Zufall diese Pixel immer mehr verfeinert und verbessert hätten, bis daraus sie – die Computerfiguren – entstanden seien.

Die Spielfiguren hätten darüber hinaus aber wenig Chancen, weitergehende Fragen zu beantworten. Sie hätten keine Möglichkeit, zu erkennen, dass diesen Pixeln, aus denen sie bestehen, beispielsweise ein komplexes Betriebssystem zugrunde liegt, das erst ihr Leben möglich macht. Und sie könnten auch nicht Erkenntnis darüber erlangen, ob jemand für ihre Programmierung verantwortlich sei.

Dieses Beispiel kann einiges erläutern:

Wir leben in einer rationalistisch geprägten Welt. Als Entstehungshypothese dient uns die Evolutionstheorie, die auch weitgehend anerkannt ist – und hier nicht in Frage gestellt werden soll.

Hinter dieser Theorie beginnen aber weitere Fragen. In theologischen und philosophischen Kreisen kommt man ab und an auf den Begriff des Zufalls zu sprechen. Biologen zum Beispiel nehmen diesen Begriff relativ unhinterfragt als Gegebenheit hin.

Dabei stellt sich aber die Frage: was ist denn der Zufall ? Angenommen, man findet auf einem Parkplatz eine Zigarettenschachtel, daneben eine Löwenzahnblume und daneben eine Colaflasche. Ist das Zufall ?

Hier würde man sagen: ja natürlich.

Würde man nun aber mit seinem Auto weiterfahren und auf 10 weiteren Parkplätzen dasselbe finden: Zigarettenschachte, daneben Löwenzahn, daneben eine Colaflasche, dann würde man wohl nicht mehr von Zufall sprechen.

Hier wird also deutlich, dass der Begriff des Zufalls genauer definiert werden müsste. Wenn man nun auf die Entwicklung des Lebens auf der Erde schaut, kann man ähnliches fragen: was ist Zufall ? Wie entstehen derart komplexe Lebewesen ? Wie steht es mit der Feinabstimmung des Universums ?

Es wären also Fragen, die rein innerweltlich und mit innerweltlicher Logik nicht mehr einwandfrei zu beantworten wären. Es wären Fragen, die beispielsweise auch oben genannte Computerfiguren nicht mehr beantworten könnten, weil sie über die Innerweltlichkeit hinausgehen: sie liegen im Transzendenten, also in dem Bereich, der der menschlichen Vernunft nicht mehr zugänglich ist.

Die Intelligent Design Bewegung versucht nun beispielsweise, Gott aus seinen Werken zu erkennen. Der Ansatz ist nachvollziehbar und wird auch das Weltbild – also die Gedanken von Menschen – sicher etwas verändern. Dieser Ansatz macht nämlich aufmerksam auf das Problem, dass hinter der Welt, in der wir leben, vielleicht noch etwas anders steht.

Dies ist somit ein legitimes Anliegen, das auch einige positive Auswirkungen auf die Weltsicht haben kann, sofern die Gedanken nicht in fundamentalistische Betrachtungsweisen umschlagen. Allerdings ist es auch hier wohl so, dass die Intelligent-Design-Bewegung das gleiche Problem hat, wie die Computerfiguren: sie kann nicht ins Transzendente hineinschauen. Sie bleibt verhaftet in der innerweltlichen Problematik.

Der christliche Ansatz ist nun der, dass man nur etwas von Gott wissen kann, wenn er etwas von sich mitteilt. Im Fall der Computerfiguren wäre dies also eine Manifestation Gottes, die in das Leben der Spielfiguren tritt – indem sie selbst als Figur auftritt. Somit wäre eine Gesprächsbasis gegeben, zwischen Gott und Mensch: Diese Figur könnte sich mit den anderen Spielfiguren unterhalten.

Diesen Ansatz findet man bei Dogmatiken über Jesus, der aus diesem Grund auch als der Christus bezeichnet wird: also als derjenige, der Gott gleichsam in diese Welt hineinträgt. Oder noch viel mehr: der gleichsam sogar selbst Gott ist. Dies ergibt sich aus den nachösterlichen Geschehnissen: dass Jesus nämlich – als erster der Menschen – nicht im Tod verhaftet blieb, sondern wieder ins Leben gerufen wurde.

Diese Sichtweise ist manchem fremd, wird aber verständlicher, wenn man darüber reflektiert, was hinter aller Existenz stehen könnte. Auch Platon hat dies getan, wenn auch auf philosophischem Weg: er skizziert in seinem Höhlengleichnis den Weg eines Philosophen, der erkennt, dass hinter Allem mehr steckt, als das, was man sehen kann. Allerdings macht er auch deutlich, dass solch ein Philosoph Schwierigkeiten hat, seine Erkenntnisse seinen Mitmenschen mitzuteilen – sie würden ihm kaum glauben.

Jesus wird nun nicht als Philosoph gesehen, sondern vielmehr als Ausdruck Gottes, als jemand, in dem sich Gott in unvergleichlicher Weise gezeigt hat, so dass man sagen kann: hier ist tatsächlich Gott in die Welt gekommen.

Wenn man nun den Bogen zu den Computerfiguren oben schlägt, so kann man als Analogie den Schluss ziehen: wenn es Gott gibt, und wenn er sich dieser Welt bekannt machen will, dann müsste er dies wohl auf einem Weg tun, den die Menschen verstehen könnten. Vielleicht müsste er eben selbst in diese Welt hineinkommen, anstatt in der Transzendenz verborgen zu bleiben.

Gerade dies scheint in Jesus geschehen zu sein, so der christliche Glaube.

Wer nun nicht gläubig ist, kann damit wohl herzlich wenig anfangen, es erscheint ihm als Humbuk. Als Humbuk werden ihm aber auch weitere Fragen erscheinen:

Die Frage nach dem Bewußtsein und die nach der Ursache aller Existenz. Auch die Erklärung des Urknalls ist hier nicht ausreichend, denn die Fragen gehen weiter: woher kommt der Urknall, und wie kann das gesamte Universum zu Beginn dieses Urknalls so klein sein, dass es auf der Größe eines Stecknadelkopfes Platz hätte ? Und zudem noch die Frage der Unendlichkeit: gibt es sie, und wenn ja, was ist sie dann ? Und wenn nein, wie soll man sich dies vorstellen ?

Wer sich diese Fragen stellt, dem dürfte die Argumentationslinie, die die frühchristlichen Apologeten fuhren, vertrauter werden: die Argumentationslinie, mit der man darlegte, wie es denn sein kann, dass Gott tatsächlich in dieser Welt erschienen ist: in Jesus.

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5 Gedanken zu “Gott und der Zufall

  1. mal googeln: Stichworte
    Geseko von Lüpke…Ega Friedmann
    WDR-Manuskript der Sendung Lebenszeichen vom 27.11.05
    Der Einbruch des Unerwarteten –
    Über die Herausforderung des Schicksals

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