Amoklauf in Virginia

zzz_trauerrose.jpgWir trauern um die Menschen, die am Montag bei einem Amoklauf umgekommen sind und fühlen uns mit ihren Angehörigen in Betroffenheit verbunden.
Man könnten nun zwar alle möglichen gutgemeinten Ratschläge anbringen und das Waffenproblem in den USA thematisieren, aber das ist heute wohl nicht angebracht. Es ist mal wieder ein Fall, den man vielleicht auch auf einen Kommunikationsmangel zurückführen kann. Irgendjemand fühlt sich von der Welt nicht mehr verstanden – und meint nun, sich für etwas rächen zu müssen, was die Welt ihm angeblich angetan habe. Er vergisst dabei völlig, wie absurd das ist. Denn ein Leid wird niemals geringer, nur indem man noch mehr Leid verursacht. Dies ist eine von mehreren Deutungsmöglichkeit von dem, was sich dort heute abgespielt hat. Aber auch, wenn man vielleicht nie herausfindet, was genau die Ursache dieser Untat heute war: möge jeder Mensch sich mehr um seinen Nächsten kümmern – das wäre ein Anfang, der vielleicht sogar solche Verbrechen an der Menschlichkeit schon im Keim verhindern kann. Und mögen Menschen, die merken, dass sie in eine derartige Gemütsverfassung abdriften, wie der Amokläufer, rechtzeitig die Notbremse ziehen und sich Hilfe suchen: bei Bekannten und Freunden, oder, falls diese nicht vorhanden sind, bei psychologischen Notdiensten.
 
Und wie ist das: soll man nicht auch auf Gott hoffen ? Doch, natürlich schon. Aber in erster Linie geht es darum, das selbst zu tun, was man selbst tun kann: Mitmenschlichkeit und Aufmerksamkeit für Andere. Um alles andere – also all das, was wir nicht selbst tun können – kümmert sich ohnehin Gott. Will heißen: ein Glaube an Gott einerseits, Verantwortungsbewusstsein andrerseits. Die Hinterbliebenen bleiben nun aber allein in ihrer Trauer vor Gott. Und in der Theodizeeproblematik: warum verhindert ein Gott nicht Derartiges ? Diese Frage lässt sich auch von Theologen kaum zufriedenstellend beantworten, denn im Grunde muss man wohl sagen: wir wissen es nicht. Es kommt hier natürlich der Gedanke des freien Willens mit ins Spiel – würde Gott hier einmal massiv eingreifen, ein andermal aber nicht, dann wären wir doch Marionetten, oder nicht ? Andrerseits rechnen die Christen aber tatsächlich auch mit dem Eingreifen Gottes auf der Erde. Aber dies geht wohl eher so vor sich, wie Gott das will – und nicht so offensichtlich, wie wir Menschen dies gern hätten. Es wird auch hier mal wieder der grundsätzliche Unterschied zwischen Mensch und Gott offenbar: Gott ist Gott – und Welt ist Welt. Welt ist nicht Gott und Gott ist nicht Welt. Will heißen: Gott ist kein Automat, den sich die Menschen gefügig machen können, in den man genug Gebete einwirft und der dann aber auch gefälligst das ausspuckt, was man erbeten hat, auch, wenn diese Vorstellung noch im Hiobbuch so thematisiert ist: es endet mit einem märchenhaften Schluss, alles wird gut. Aber schon in Kohelet /  Prediger sieht es anders aus: man weiß zwar, DASS es Gott gibt. Aber seine Wege kann der Mensch nicht erkennen. Erst im Neuen Testament zeigt sich Gott ganz deutlich: in Jesus. Erst ab hier weiß der Mensch sicher, dass Gott keine Projektion der eigenen menschlichen Wünsche ist, sondern Realität.
 
Was hilft dies aber nun in der aktuellen Situation ? Nun, einerseits kann man von der Realität Gottes ausgehen, andrerseits aber von seiner Unverfügbarkeit: er handelt nach seinen eigenen Gesetzen. Der Gedanke aber, der sich durch die gesamte Bibel zieht und der auch den Trauernden hier Trost zu geben vermag, ist der: Wir können niemals tiefer fallen, als in die Hände Gottes, denn er ist der Grund sämtlicher Existenz, der Menschen, des Universums, der letzte Grund überhaupt. Kognitiv vorstellen können wir Menschen uns dies nicht. Wir haben keine Vorstellung von dem, was Unendlichkeit ist. Im Glauben jedoch haben wir einen Zugang zu einer Realität, die wir mit unseren doch recht eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten niemals erreichen können. Sicher muss man hier aufpassen, nicht in fundamentalistische Einstellungen abzudriften. Sicher soll es ein denkender Glaube sein, der auch die Ratio einschaltet. Aber letztlich ist es der Glaube, der praktisch allen Menschen zu eigen ist und sie irgendwo wissen – oder zumindest ahnen – lässt: Gott existiert da draußen. Und seit Jesus können wir überzeugt sein: nicht nur dort draußen, sondern auch hier, direkt bei jedem von uns. Er ist keine bloße Idee, sondern er hat ein vitales Interesse an jedem einzelnen von uns. In Freude, wie auch im Leid. Er selbst nämlich hat – in Jesus – das tiefste Leid durchschritten. Er weiß, was Leid bedeutet. Warum er es aber trotzdem zulässt, wissen wir nicht. Aber eines wissen wir genau: dass er in allem Leid bei uns ist. Jede einzelne Sekunde.

> zur Bildstrecke (Süddeutsche Zeitung)
> zum Video (heute.de)
> Die Frage nach dem Warum (Welt)
> Rache der gestörten Persönlichkeit (Süddeutsche Zeitung)
> Amokläufe können verhindert werden (VIDEO – heute.de)

Verfasser: MG.  –  Eigene Gedanken ? Kommentieren Sie gerne !

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